Frischer Nachschub für Rennfreaks: Mit „Trailblazers“ bringen Supergonk Games und Rising Star Games ein etwas anderes Rennspiel auf den Markt. Der Koop-Racer legt Wert auf Teamplay, Reaktionen und künstlerische Entfaltung in Form von farbenfroher Bepinselung der Rennstrecke. Eigentlich steht bei „Trailblazers“ der Spaß am arcadelastigen Rennen im Mittelpunkt: Von Simulation ist das Spiel meilenweit entfernt und will euch lieber unterhalten als zum Staunen zu bringen.
Mit etwas Abstand betrachtet könnte das Geschehen hier eigentlich kaum klassischer sein: In Rundkursen tretet ihr gegen eine Vielzahl an Feinden an, mal alleine, mal im Team – fertig. Ganz so einfach ist die Sache natürlich nicht: Das schicke Indie-Spielchen hat noch ein paar Asse im Ärmel.
Darf es ein bisschen bunter sein?
Das Haupt-Feature von „Trailblazers“ ist das Bemalen der Rennstrecke: Ihr habt einen Tank mit eurer Teamfarbe im Gepäck, den ihr per Knopfdruck auf der Strecke abladen dürft. Das Ergebnis: Hinter eurem Flitzer breitet sich ein bunter Teppich aus Farbe aus. Was das soll? Ganz einfach: Jedes Teammitglied, – ihr natürlich eingeschlossen – das anschließend über die Farbe fährt, bekommt einen ordentlichen Boost spendiert.
Je länger ihr auf solch einem Farbstreifen cruised, desto höher wird dieser Boost – bis maximal Dreifach-Speed. Das ist jedoch einfacher gesagt als getan, was gleich mehrere Gründe hat… Zunächst einmal habt ihr nicht unendlich Farbe: Der Tank ist relativ schnell leer. Übrigens: Solange ihr Farbe verteilt, wird die Geschwindigkeit eures Flitzers deutlich reduziert – was manchmal ideal für scharfe Kurven ist.
Erst nach einer Weile füllt sich der Tank wieder automatisch auf. So entstehen immer wieder Unterbrechungen in euren Farbstreifen. Dann wären da noch die gegnerischen Fahrzeuge, die ebenfalls bunte Streifen auf die Strecke pinseln: Daher gibt es auf den Kursen ein kunterbuntes Hin und Her. Last but not least: Bei hoher Geschwindigkeit müsst ihr es erst einmal schaffen, überhaupt in der Spur zu bleiben, um nicht gleich in die Leitplanke zu rasen. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären.
Zu schnell für diese Welt
Die Steuerung der futuristischen Schlitten ist so eine Sache: Die Karren reagieren nicht direkt oder etwas behäbig auf eure Eingaben, was enge Kurven zum blanken Horror macht – ganz besonders wenn ihr gerade im Geschwindigkeitsrausch eurer eigenen Farbe seid. Da hilft es auch nicht viel, dass es insgesamt acht unterschiedliche Charaktere gibt: Deren Stats unterscheiden sich zwar auf dem Papier, aber so immens sind die Auswirkungen auf der Strecke dann nicht.
Manche lenken sich besser, andere füllen ihren Farbtank schneller oder bekommen deutlich fixer einen Boost. Die Unterschiede sind da, aber am Fahrstil ändert das in der Praxis recht wenig. Die Kampagne selbst ist nett präsentiert und dürfte euch für rund fünf Stunden unterhalten – und an manchen Stellen auch sicherlich frusten.
Denn um ein Match erfolgreich zu beenden, müsst ihr eine Herausforderung erledigen. Diese reichen von „Lande unter den ersten Drei“, über „schlage die Zeit XXX“ bis hin zu „erziele XXX Punkte“. Gerade bei letzter Herausforderung ist es manchmal reines Glück, ob ihr gewinnt oder nicht. Punkte gibt es für erfolgreiches Boosten oder das Ausschalten eines Gegners (was ihr mit vollem Tank per Farbpistole machen könnt). Allerdings gibt es einen kleinen Haken an der Sache: Ihr baut eine Punktekombo auf, je mehr Tricks ihr vollführt. Erst wenn ihr eine Weile keinen Crash hattet und keine weiteren Punkte hinzu kommen, trudeln diese auf euer Konto ein.
Nun ist es aber manchmal unmöglich, bei hoher Geschwindigkeit nicht in eine Planke zu schlittern und somit die bisher erzielten Punkte zu verlieren. Manche Rennen musste ich daher wieder angehen, was schon genervt hat. Auch das aggressive Verhalten eurer Kontrahenten macht die Sache nicht unbedingt einfacher …
Richtig Freude macht der flotte Racer allerdings, wenn ihr anstatt der KI echte Kumpels mit euch auf der Strecke habt – am besten neben euch auf der Couch. So könnt ihr euch koordiniert absprechen, welche Rennabschnitte ihr bepinselt oder gemeinsam die Gegner aufs Korn nehmen. Für mich ist dieser Spielmodus der eigentliche Höhepunkt des Rennens. Grafisch ist „Trailblazers“ ganz okay, aber reißt keine Bäume aus – alles unter der Prämisse, dass ihr auf die bunte Comic-Optik steht.
Fazit
Insgesamt erwartet euch also ein klassisches Arcade-Rennspiel, das sich lediglich durch die Farbgebung von anderen Racern abhebt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Farbschlachten auf der Strecke machen Laune, die Kampagne unterhält für ein paar Stunden. Allerdings ist die Langzeitmotivation bei den Rennen allein nicht unbedingt gegeben:
Dazu spielen sich die acht unterschiedlichen Charaktere zu ähnlich, die Aufgaben wiederholen sich zu oft und die Sache mit den Punktekombos zerrt aufgrund des Fahrverhaltens und der Streckenführung an den Nerven. Den größten Spaß zieht ihr aus „Trailblazers“, wenn ihr euch gemeinsam mit Freunden hinters Lenkrad klemmt: Dann geht das Konzept voll auf. Daher meine Empfehlung: Macht aus dem Ganzen eine Farbschlacht mit Freunden – für Singleplayer gibt es da draußen bessere Alternativen.
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: trailblazersgame.com