Angry Mob Games beschert uns vor Weihnachten eine ganz besondere Pixelperle. Mit Trinity Fusion vermischt das Studio Rogue-Like und Metroidvania zu einer ganz besonderen Erfahrung. Warum ich mich auch nach dem x-ten Tod nicht ganz losreißen konnte von dem Titel, erfahrt ihr jetzt.
Wilder Start
Beim allerersten Spielen von Trinity Fusion dachte ich zunächst, dass das hier ein kurzes Vergnügen wird: Der Einstieg war zwar okay, aber wirkte etwas hektisch und ziemlich unfair. Es hat etwas gedauert, bis ich kapiert habe, dass es genauso sein sollte. Am Ende des Tutorials sollt ihr ins Gras beißen. Danach wird alles anders – versprochen. Aber kommen wir schnell zur Geschichte.
Bei Trinity Fusion steht das Multiversum im Mittelpunkt. In einer Welt namens Prime erschufen ein paar schlaue Köpfe drei weitere Parallelwelten. Eine davon war voll mit natürlichen Ressourcen, die andere eine perfekte Produktionsstätte und die dritte ein grenzenloses Areal für den Fortschritt. Natürlich kam es, wie es kommen musste: Irgendwas lief schief. Die Welten fingen an sich zu verschmelzen und die Bewohner zu fiesen Monstern zu werden.
Bevor nun alles den Bach runtergeht, will Maya helfen. Sie ist sozusagen ein Master Brain in der Welt Prime. Mit ihren Gedanken kann sie auf ihre Alter Egos in den anderen Welten zugreifen und ihnen klarmachen, was auf dem Spiel steht. Und genau dort setzt Trinity Fusion nach dem Tutorial an. Ihr landet in der Haut von Altara in den Außenbezirken eines vormals so fruchtbaren Planeten. Der Kampf gegen Monster und den Untergang der Welten beginnt.
Solides Fundament
Trinity Fusion zeigt sich auf den ersten Blick als hübscher Sidescroller im Stile eines Dead Cells - nur mit etwas hellerer Grundstimmung. Altara ist anfangs ausgerüstet mit einer Nahkampfwaffe, was meistens ein modernes Katana ist. Meistens? Nun ja, die Nahkampfwaffe wechselt bei jedem Neustart. Ab und an bekommt ihr auch eine Sense oder eine kleine Axt in die Hand. Als zweites habt ihr noch eine Zusatzwaffe, die meistens etwas mit Fernkampf zu tun hat. Hier rotiert ihr zwischen Laser-Pistole, Wurfsternen oder Brandbomben. Mehr dazu gleich.
Jedenfalls reichen diese Waffen aus, um die ersten Gegner zu plätten. Es hilft, dass Altara flink unterwegs ist und ihre Ausweichrolle beherrscht. Da Gegner vor dem Angriff kurz rot aufleuchten, könnt ihr gut sehen, wann ihr ausweichen solltet. Das System funktioniert erstaunlich gut. Bereits in meinem dritten Durchgang gleite ich durch die ersten Gegner wie ein heißes Messer durch Butter. Dieser kleine Fortschritt macht schon Laune.
Süchtig machend
Im Verlauf eines jeden Versuchs steigt ihr im Powerlevel auf, wenn ihr Gegner besiegt. Je höher der Powerlevel, desto besser sind die Waffen, die ihr finden werdet. Ebenfalls ein geschicktes System, um euch bei Laune zu halten. Und ihr werdet viele Waffen in einem Anlauf finden. Dadurch kommt auch wenig Frust auf, wenn euch eine Waffe mal nicht gefällt. Hinzu kommen Verbrauchsgegenstände oder Zusatz-Fähigkeiten, die lediglich mit einer Abklingzeit belegt sind. Insgesamt ein bunter Mix, der bei jedem Versuch neu gemischt wird.
Allerdings könnt ihr dem Schicksal etwas unter die Arme greifen: Solltet ihr einmal sterben, nehmt ihr bestimmte Punkte mit, die ihr gesammelt habt. Mit diesen dürft ihr in permanente Boni investieren. Zum Beispiel mehr Lebenspunkte zum Start, bessere Waffen, mehr Münzen usw. Die Möglichkeiten motivieren für einen neuen Anlauf. Doch ganz so Rogue-Like und Zufallsgeneriert ist in Trinity Fusion dann auch nicht alles. Ihr durchlauf einzelne Level, deren Reihenfolge festgelegt ist – zumindest das Setting und einige Inhalte. Der Aufbau der Level unterliegt dem Zufall. Doch nach drei Level steht ihr vor dem ersten Boss – das ist immer so.
Knackige Herausforderung
Apropos Boss: Dieser Kerl stellt euch gleich vor die erste echte Herausforderung. In einem Anflug von Leichtsinnigkeit dachte ich in meinem zweiten Anlauf, dass ich ihn einfach wegpusten kann. Nun ja, ich habe mich geirrt. Ihr solltet es ruhiger angehen als ich und auf seine Bewegungen achten. Trinity Fusion verzeiht nur sehr schwer eure Fehltritte – das musste ich leider schnell erfahren. Aber wie gesagt: Jeder Anlauf macht euch stärker.
Und damit wären wir noch nicht am Ende der Spiel-Mechaniken. Denn sobald ihr es an dem ersten Boss vorbeigeschafft habt, fängt der Spaß erst richtig an. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Ihr trefft natürlich auf eure anderen Alter Egos in den anderen Welten. Ab diesem Zeitpunkt macht der Name des Spiels seinem Titel alle Ehre: Ab sofort habt ihr die Möglichkeit mit den anderen Charakteren zu verschmelzen.
Immer wieder neu
Diese Mechanik bringt dann auch einen Hauch Metroidvania ins Geschehen. Denn mit den Fähigkeiten der anderen Charaktere erreicht ihr plötzlich Orte, die euch zuvor verborgen waren. Ganz im Stile von Super Metroid schlängelt ihr euch durch enge Passagen oder ergreift mit einer Energiepeitsche besondere Ankerpunkte. Das bringt nach ein paar Stunden wieder frischen Wind ins Geschehen und hat mich zusätzlich überrascht. Die Stunden sind schneller verflogen als ich mitbekommen habe. Und damit landen wir schon beim Fazit.
Fazit
Trinity Fusion wird euch nach dem Tutorial vielleicht überraschen. Mich hat es das jedenfalls. Denn schnell setzt hier der Suchtfaktor ein, der aus “nur noch schnell einen Versuch” und “eine Fähigkeit schalte ich noch frei” besteht. Das Konzept unterscheidet sich zwar nicht so sehr von anderen Rogue-Likes, gewinnt aber an Charme und Tiefe durch die Verschmelzung der Parallelwelten und den damit verbundenen Fähigkeiten. Anlauf für Anlauf werdet ihr besser, was unglaublich motiviert. Dass ich so viel Zeit mit Trinity Fusion verbringen habe, hat mich positiv überrascht. Ein kleines Software-Juwel, das ich ruhigen Gewissens weiterempfehlen kann.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: trinity-fusion.com