Under The Island hatte mich nach den ersten Minuten direkt gepackt: knallige Pixeloptik, 90er-Cartoon-Vibes und eine Insel, die sich anfühlt wie eine Mischung aus SNES-Zelda und Samstagnachmittag auf Super RTL.
Es ist ein charmantes, bewusst überschaubares Action-Adventure, das die Nostalgie-Schiene fährt, ohne sich darin auszuruhen – und das gleichzeitig ziemlich gut erklärt, warum ich direkt SNES-Gefühle und eine niedliche Grundstimmung wahrnehme.
SNES durch die Indie-Brille
Optisch ist Under The Island ein Fest, wenn man 16-Bit-Zeug im Blut hat. Die Top-Down-Perspektive, die abgerundeten Tiles, die Farbpalette – alles schreit „A Link to the Past / Link’s Awakening“, nur mit einem Hauch moderner Cartoon-Schärfe obendrauf. Die Welt wirkt bunt, verspielt und trotzdem nicht kindisch.
Die charmante Grundstimmung kommt nicht nur von der Grafik, sondern auch von den Figuren: Nia als Protagonistin mit Hockeyschläger, schräge Side-Charaktere wie ein verdächtig motivierter Muskelmann namens M. Uscle, Pinguine und andere Exzentriker, die Seashell Island bevölkern.
Unterm Strich: Das Spiel will wie ein verlorener 2D-Zelda-Ableger wirken – und trifft diesen Ton erstaunlich treffsicher.
Cozy Zelda mit Hockeyschläger
Spielerisch mischt Under The Island klassisches Top-Down-Zelda mit einem eher Gemütlichkeits-Fokus. Ihr erkundet Seashell Island aus der Vogelperspektive, haut Gegner und Büsche mit eurem Hockeyschläger weg, sammelt Herz-Coins, Items und Geld und stoßt ständig auf kleine Geheimnisse. Kämpfe sind bewusst nicht superhart, aber sauber genug, dass Schläge, Ausweichen und Tool-Einsatz gut von der Hand gehen.
Und doch war mir nicht immer klar, was gerade gefordert wird: Quests beschreiben oft nur grob, wo ihr als nächstes hin solltet; es gibt selten Marker, die euch alles direkt auf der Karte anpinnen. Das Positive dabei: Die vage Richtung fühlt sich „angenehm oldschool“ an, weil man Dinge wirklich selbst entdeckt und nicht der Mini-Map hinterherläuft. Gleichzeitig kann das natürlich auch zu jener leichten Orientierungslosigkeit führen, die ich hatte. Bin wohl zu verwöhnt mit modernen Spielen.
Die Entwickler gleichen das mit einem gut designten Kartensystem aus: Bereiche sind klar abgegrenzt, auf Geheimnisse und Ziele wird sinnvoll hingewiesen, sobald du sie entdeckt hast. Trotzdem bleibt immer ein Hauch „Wo zur Hölle soll ich jetzt hin?“ – was für SNES-Fans nach Feature, für andere nach leichtem Stolperstein klingt.
Klein, aber fein
Herz des Spiels sind die Dungeons und die Insel selbst. Ihr bewegt euch relativ frei über Seashell Island, die trotz ihrer überschaubaren Größe eine erstaunliche Biome-Vielfalt hat: Wüste, Sumpf, Wald, Schneegebiet – jeweils mit eigenen Gegnern, kleinen Rätseln und natürlich einem Dungeon in der Nähe. Insgesamt gibt es „nur“ vier große Dungeons, was einige von euch zwar etwas kurz finden werden, was aber zum kompakten Ansatz des Spiels passt.
In den Dungeons läuft vieles klassisch: Ihr findet eine Karte, schaltet Türen frei, löst Blockschiebereien, Licht- und Umgebungsrätsel und bekommt in mindestens einem Korridor Retro-Flashbacks, weil ihr denkt: „Okay, das hätte exakt so auch auf dem SNES sein können.“ Gleichzeitig streut Under The Island moderne Akzente ein: Picross-artige Puzzleabschnitte, clevere Bewegungsrätsel und Tools, die ihr nicht nur im Dungeon, sondern auch auf der Oberwelt kreativ nutzt.
Kleine Insel, kleine Story
Die Geschichte ist bewusst kleiner gestrickt als in den großen Vorbildern. Nia landet als Tourist auf der Insel, bricht in einem verbotenen Schrein eine Regel, landet mit Avocado im Untergrund und erfährt, dass die Insel langsam im Meer versinkt – also heißt es: vier Zahnräder sammeln, um das drohende Unglück abzuwehren. Sehr klassisch, wird aber mit viel Herz, Humor und Nebenfiguren erzählt.
Die Hauptkampagne ist relativ kurz; Ihr könnt selbst bei gründlicher Erkundung cirka fünf Stunden bis zum Abspann einplanen, mit noch ein paar offenen Geheimnissen. In einer Zeit voller 40-Stunden-Epen hinterlässt das Spiel so bewusst ein „knackig, aber vollständig“-Gefühl.
Fazit: Ein kleines SNES-Herz für Zelda-Fans
Under The Island ist kein gigantisches Epos, sondern ein kleines, sehr liebevoll gemachtes Zelda-like, das genau das bedient, was ich persönlich mag: niedliche Optik, starke SNES-Nostalgie, eine durchgehend charmante Stimmung – und eine Wegfindung, die bewusst etwas altmodisch vage bleibt.
Wenn ihr klassische 2D-Zeldas mögt, aber Lust auf eine etwas leichtere, humorvolle Variante habt – mit Hockeyschläger statt Master-Schwert, kurzem, aber cleverem Abenteuer und einer Insel, die eher zum Stöbern als zum Schwitzen einlädt –, ist Under The Island ein richtig schöner, entspannter Kandidat. Ich kann es gut empfehlen.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/1583520/Under_The_Island