Wenn ich den Namen Vanillaware höre, denke ich direkt an wunderschöne handgezeichnete Ani-me-Figuren samt Damen mit sehr wohlgeformten Körpern. Im Jahr 2013 konnte mich Dragon’s Crown schnell in seinen Bann ziehen – und daran war nicht nur die Grafik Schuld dran. Nun taucht der Name also wieder auf und ich werde neugierig. Unicorn Overlord verspricht ein episches Abenteuer voller taktischer Freuden zu werden. Ob sich das Team da nicht zu viel vorgenommen hat? Wir schauen es uns an.
Was soll das sein?
Bevor ich ins Spiel eintauche, muss ich euch kurz meine Verwirrung zu Beginn erläutern. Beim ersten Blick auf die Screenshots von Unicorn Overlord war mir nicht klar, um welches Genre es sich hier eigentlich handelt. Und Vanillaware verspricht eine einzigartige Mischung aus Echtzeit und rundenbasierter Taktik. Zu Beginn konnte ich mir darauf keinen Reim machen. Aber das sollte sich schnell ändern.
Bevor ihr überhaupt zum Spielen kommt, gibt es einen langen Einstieg in die epische Geschichte, die sich hier vor euren Augen entfaltet. Und keine Sorge: Unicorn Overlord weiß seine Story in Szene zu setzen. Ich war von der ersten Minute an bereits gefesselt. Um euch eine grobe Marschroute zu präsentieren, schneide ich die Geschichte kurz an – werde aber keine Details verraten. So wisst ihr zumindest, was euch in etwa erwartet.
Vereintes Reich?
Auf dem Kontinent Fevrith teilen sich fünf Königreiche die Länderreihen untereinander auf. Das läuft soweit ganz gut – bis der Lord Valmore auftaucht. Er will die Macht über sämtliche Königreiche erlangen und sie so einen. Das hört sich vielleicht nobel an, doch in seiner Brust schlägt ein dunkles Herz. Seiner finsteren Herrschaft stellt sich als Erstes das Reich Cornia entgegen. Im Herzen des Kontinents werden hier die Fäden gezogen. Doch gegen die mysteriöse Macht von Valmore hat Königin Ilenia keine Chance.
Bevor das Cornia jedoch fällt, wird Joseph, der stärkste Ritter des Landes, dazu beauftragt sich um den Thronfolger Alain zu kümmern. Er soll den Jungen ungesehen wegbringen, damit er heranwachsen kann. Gesagt, getan. Während der Kontinent langsam unter der Herrschaft Valmores fällt, wächst Alain wohl behütet auf einer Insel auf. Und dort holt ihn die Vergangenheit schneller ein, als ihm lieb ist. Jedenfalls beginnt ab dann euer Abenteuer.
Die Geschichte hat fast schon Ausmaße eines Herr der Ringe oder Game of Thrones – freut euch drauf. Vanillaware setzt das Ganze mit recht einfachen Mitteln gekonnt in Szene. Dabei hilft auch die fantastische Vertonung auf Englisch oder Japanisch. Untertitel könnt ihr natürlich auf Deutsch haben. So verpasst ihr kein Detail der Geschichte. Aber die Geschichte ist nur ein Standbein von Unicorn Overlord. Der vielleicht spannendere Aspekt ist natürlich das Gameplay.
Echtzeit trifft Runden-Taktik
Kommen wir zu dem Teil, der mich anfangs verwirrt hat: Auf der Übersichtskarte schiebe ich niedliche Einheiten hin und her und lande dann immer wieder in rundenbasierten Kämpfen. Im Grunde kennt man das schon aus dem allerersten Final Fantasy oder Mystic Quest oder Pokemon, wenn man so will. Doch das Umherwandern auf der Karte ist bei Unicorn Overlord anders. Ihr habt hier zunächst einmal meist mehr als nur eine Einheit, mit der ihr wandert. Und auch der Gegner nutzt die Zeit, um seine Truppen in Position zu bringen. Alles geschieht dabei gleichzeitig und in Echtzeit.
Klingt nun etwas merkwürdig, spielt sich aber nach einer Weile ganz gut. Ihr könnt die Zeit jeder-zeit einfrieren und euren Truppen neue Befehle erteilen. Danach laufen sie auf das Ziel, das ihr ihnen zugeteilt habt. Trefft ihr unterwegs auf feindliche Truppen, schwenkt das Geschehen zum Kampf. Dort geht es dann etwas klassischer zu, wenn ihr Aktionspunkte Runde für Runde verbraucht. Aber auch hier bietet Unicorn Overlord einen interessanten Twist.
Automatik hat seine Vorteile
Die rundenbasierten Kämpfe laufen allesamt automatisch ab. Ihr könnt euch also schön zurücklehnen und das Geschehen genießen. Was das soll? Erkläre ich euch gleich. Eine Sache aber noch: Anstatt nun Runde für Runde in diesen Kämpfen gegeneinander anzutreten, ist jede Partei nur einmal an der Reihe. Danach wird geschaut, wer den meisten Schaden angerichtet hat oder noch am Leben ist – diese Einheit ist dann der Gewinner. Kämpfe enden also nicht zwangsweise mit der Vernichtung einer Truppe. Ebenfalls eine spannende Mechanik.
Eine komplett besiegte Truppe verschwindet vom Schlachtfeld. Eine Truppe, die lediglich verloren hat, wird für eine kurze Zeit eingefroren. Greift ihr diese erneut an, bekommt ihr Boni wie einen Erstschlag. Coole Sache. So könnt ihr taktischer planen, wie ihr starke Truppen angehen wollt. Aber warum läuft hier alles automatisch ab? Ganz einfach: Weil es eine Menge Zeit spart. Denn grundsätzlich würdet ihr wohl kaum anders spielen als die KI. Ihr habt aber Einfluss darauf, wie die KI für euch die Truppen einsetzt. Und jetzt wird es sehr taktisch.
Taktische Anpassungen
Jede Truppe kann aus bis zu sechs Mitgliedern bestehen. In zwei Reihen dürft ihr die Mitglieder in der Truppe verteilen. Je nach Rolle setzt ihr beispielsweise Bogenschützen nach hinten, Schildträger nach vorne oder Reiter in die zweite Reihe. Außerdem sagt ihr ihnen, welche Fähigkeiten sie bevorzugt einsetzen sollen. So habt ihr im Grunde immer die volle Kontrolle. Das automatische Kämpfen empfand ich als Segen, da ich mich noch tiefer in die Charaktere einarbeiten musste. Später dürft ihr hier aber immer mehr Hand anlegen, wenn ihr wollt. Unicorn Overlord macht es Einsteigern damit etwas leichter – wobei sich das Spiel wohl eher an erfahrene Taktiker:innen richtet.
Die einzelnen Missionen bestehen also aus einer Übersichtskarte mit Echtzeit-Elementen und den rundenbasierten Kämpfen, die automatisch ablaufen. Jede Mission liefert euch zudem Sieg- und Niederlagen-Bedingungen. Wenn man es so ausdrückt, ist das gar nicht mal kompliziert. Unicorn Overlord weiß, wie man dieses am Ende doch komplexe System einfach herunterbricht. Denn je länger ihr spielt, desto mehr Einheiten mit eigenen Eigenschaften werdet ihr treffen und rekrutieren können. Es entstehen interessante Mischungen an Truppen, die ihr bilden könnt.
Einfach schön
Auch wenn ich es anfangs schon erwähnt habe, dass man hier den typischen Look von Vanillaware erkennt, will ich schnell einen Blick auf die Grafik werfen. Ich liebe diesen unverkennbaren Grafikstil einfach. Die Figuren treten prominent in den Vordergrund und sind nett überzeichnet. Insbesondere das weibliche Geschlecht hat immer eine sehr sexy Seite an sich, von der man die Blicke kaum abwenden kann. Mir persönlich gefällt das. Ich kann aber auch verstehen, dass es Geschmackssache ist. Und damit komme ich zum Fazit.
Fazit
Unicorn Overlord ist ein wirklich episches Werk, das bestens zu unterhalten weiß. Mit der innovativen Mischung aus Echtzeit und Runden-Taktik weiß die Geschichte von Rache, Betrug und Verrat über vielen Stunden zu überzeugen. Es braucht zwar eine Weile, bis man sich hineingefuchst hat in die ganzen Mechaniken, aber Unicorn Overlord nimmt euch von Anfang an brav an die Hand. Erwartet dennoch keine schnelle Action, sondern ausgiebige Schlachten mit hohem taktischem Anspruch. Unicorn Overlord ist geradezu gemacht, um tief einzutauchen und die Charaktere besser kennenzulernen. Es macht schlichtweg Spaß diese Welt zu erleben und in ihr ein Teil zu werden. Ganz großes Kino, Vanillaware!
Erhältlich für: Xbox, PS, Switch
Website: unicornoverlord.atlus.com