Unterhaltung Games

Verho – Curse of Faces

PS1-Optik, dunkle Geheimnisse und sehr viel Geduld.

Was wäre, wenn ein Blick in ein fremdes Gesicht tödlich endet? In Verho – Curse of Faces ist das keine Redewendung, sondern das wichtigste Gesetz der Welt. Die Menschheit überlebt nur dank Masken. Ihr reist in das verfluchte Königreich Yariv und versucht herauszufinden, wie alles begann.

Grafisch sieht das Abenteuer tatsächlich so aus, als wäre es direkt aus der PlayStation-1-Ära gefallen. Wenige Polygone, matschige Texturen und gelegentlich etwas ruckelige Animationen gehören zum bewusst gewählten Stil. Spielerisch ist Verho aber deutlich packender, als die Optik zunächst vermuten lässt. Kommt mit und lasst euch überraschen.

Ein dunkles Königreich

Yariv ist ein vernetztes Reich aus Ruinen, Höhlen, Dungeons und verlassenen Burgen. Ihr erkundet die Welt aus der Ego-Perspektive, sammelt Waffen sowie Zauber und versucht, Stück für Stück mehr über die Curse of Faces herauszufinden.

Die Geschichte wird euch nicht ständig erklärt. Viele Informationen entdeckt ihr in der Umgebung, durch Gespräche oder über Gegenstände. Genau dadurch entsteht dieses alte Rollenspielgefühl, bei dem ihr aufmerksam sein müsst und nicht an jeder Ecke ein großes Ausrufezeichen auf der Karte findet. Ja, hier schwingt ein wenig Dark Souls mit.

Masken bestimmen euren Weg

Zu Beginn wählt ihr eine Maske. Sie entspricht im Grunde eurer Startklasse und beeinflusst Werte wie Nahkampf, Magie oder Beweglichkeit. Im Verlauf könnt ihr euren Charakter aber weiterentwickeln und auch Mischformen ausprobieren.

Das Maskensystem passt hervorragend zur Geschichte. Ihr tragt nicht einfach nur eine Rüstung, sondern eine Art gesellschaftliche Lebensversicherung. Wer sein Gesicht zeigt, stirbt. Dadurch bekommt jedes Treffen mit anderen Figuren eine leicht unheimliche Note.

Kämpfen mit Timing

Die Kämpfe wirken zunächst simpel. Ihr schlagt, blockt, weicht aus und nutzt Zauber oder Fernkampfwaffen. Ganz so gedankenlos könnt ihr aber nicht vorgehen. Waffen müssen geladen werden, bevor ihr ihre volle Wirkung entfaltet. Wer zu früh zuschlägt, verteilt nur einen schwachen Hieb.

Dazu müsst ihr Gegner beobachten und eure Position anpassen. Manche Kreaturen springen euch an, andere greifen aus der Entfernung an oder versuchen, euch in engen Räumen festzunageln. Das Kampfsystem ist wirklich eigens und Geschmackssache. Es verlangt euch aber genug Aufmerksamkeit ab, damit sich die Begegnungen nicht völlig austauschbar anfühlen.

Eine Reise für Entdecker

Die größte Stärke liegt für mich in der Erkundung. Verho belohnt euch, wenn ihr ungewöhnliche Wege ausprobiert, hinter Ecken schaut und auch einmal in einen scheinbar nutzlosen Raum geht. Dort findet ihr Waffen, geheime Durchgänge, Schätze und Hinweise auf die Welt.

Das Spiel erklärt allerdings wenig. Ihr müsst euch selbst merken, wo ein verschlossenes Tor stand oder welche Figur euch einen Hinweis gegeben hat. Das kann wunderbar atmosphärisch sein. Es kann aber auch frustrieren, wenn ihr nach längerer Pause nicht mehr wisst, wohin ihr eigentlich gehen solltet.

Charme mit Ecken und Kanten

Die PS1-Optik ist ebenfalls Geschmackssache. Wer moderne Grafik erwartet, wird wahrscheinlich erst einmal staunen. Verho setzt aber bewusst auf eine nostalgische, düstere Präsentation und fängt den Geist von King’s Field erstaunlich gut ein.

Fazit

Verho – Curse of Faces ist ein atmosphärisches Rollenspiel für alle, die sich auf alte Designentscheidungen einlassen möchten. Die PS1-Optik ist kompromisslos, die Welt geheimnisvoll und die Erkundung überraschend belohnend.

Das Spiel verlangt Geduld. Ihr müsst euch Wege merken, Kämpfe beobachten und gelegentlich mit etwas sperriger Technik leben. Wer das akzeptiert, bekommt eine packende Reise durch ein düsteres Königreich, die sich wie ein vergessener Klassiker aus der ersten PlayStation-Ära anfühlt. Nur eben mit mehr Masken und deutlich mehr tödlichen Blickkontakten.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: store.steampowered.com/app/3017330/Verho__Curse_of_Faces