Absurd, aber lustig: Eine haushohe Musikbox schmettert aus dem Himmel zu Boden und lässt in voller Lautstärke Gitarrenriffs erklingen. Die herumstehenden Skelette können nicht anders als das Tanzbein zu schwingen, mit den Köpfen zu wackeln oder gar im Gangnam-Style davon zu hüpfen.
Währenddessen kann sich Dämonenjäger Victor Vran gemütlich durch die Menge kämpfen. Solche Attacken gehören zum Alltag des heldenhaften Draufgängers, der eine Stadt vor dem Untergang bewahren möchte. Ernst ist hier selten etwas – und das ist auch gut so: Denn durch den trockenen Humor gewinnt Dämonenjäger Victor Vran unglaublich viele Sympathien.
Bevor ihr weiterlest: Verwechselt das Spiel nicht mit „Van Helsing“. Es bestehen zwar Ähnlichkeiten – selbst in der Aufmachung des Covers – aber Victor Vran spielt in seinem ganz eigenen Universum. Außerdem steckt Victor seinen Kollegen Van Helsing locker in die Tasche.
Im Schatten des Teufels
Das actionreiche Rollenspiel wandelt deutlich auf den Spuren eines Hack’n Slay wie die bekannte „Diablo“-Reihe. Das große Vorbild erreicht Victor von der Spieltiefe und -abwechslung zwar nicht ganz, muss sich aber dennoch nicht verstecken. Zwei Dinge (eigentlich sind es ein paar mehr) sorgen hauptsächlich dafür, dass die Unterhaltung stets auf einem hohen Niveau balanciert.
Zum einen wäre da das grandiose Kampfsystem, mit dem ein solches Spielchen steht und fällt. Wenn Victor zum Schwert, Sense, Mörser oder Schrotflinte greift, fliegen die Fetzen. Denn jede Waffengattung bringt insgesamt drei unterschiedliche Attacken mit sich. Zwei Waffen dürft ihr gleichzeitig tragen und per Knopfdruck wechseln.
Aus den acht Waffengattungen sucht sich jeder seine Lieblinge und kombiniert diese nach Lust und Laune – da ist für jeden was dabei. Mein persönlicher Zusatz-Motivator ist die hervorragende Vertonung des Ganzen: Nicht nur Victor, sondern auch die Stimme in seinem Kopf, die ständig mit ihm im Dialog steht und morbide Scherze reißt, tragen beide einen großen Teil zur Atmosphäre des Titels bei.
Selbst Nebenfiguren sind prima vertont – schön, dass sich hier jemand Mühe gegeben hat. Der eigentliche Spielablauf gestaltet sich im Grunde immer gleich: Ein Gebiet betreten und die Monster dort zurück in die Hölle schicken. Dass dies nicht zu langweilig wird, haben sich die Entwickler was überlegt: Jedes Gebiet wartet mit fünf Herausforderung auf den Spieler.
Meistert er diese, gibt es zusätzliche Boni wie Rüstungsgegenstände, Erfahrungspunkte oder Gold. Dass manche dieser Herausforderungen ganz schön knifflig geraten sind, macht die Sache umso spannender. Wem das alles zu einfach erscheint, schaltet bis zu fünf Flüche an, die zwar mehr Erfahrungspunkte bringen, die gegnerischen Dämonen aber ordentlich stärken. Soll keiner sagen, dass das hier ein Spaziergang wäre.
Großes Kino mit kleinen Mängeln
Gesammelt wird in dem actionreichen Spielchen übrigens auch jede Menge: Beute fällt im Minutentakt – Vorsicht: Suchtgefahr. Dicke Bosse fehlen übrigens auch nicht. Wie gesagt: Victor Vran kommt gefährlich nahe an das große „Diablo“-Vorbild heran.
Lediglich die fehlende Charakterauswahl – es steht eben nur Victor zur Auswahl – und die selten auftretenden Bugs (bei mir ist der Bildschirm an mehreren Stellen plötzlich eingefroren), lassen Victor auf Platz zwei im Genre verweilen.
Doch bevor sich die Horden der Hölle aus „Diablo 3“ auf die Nintendo Switch niederlassen, rockt der Dämonenjäger die Konsole seit Neustem ganz alleine. Freunde des Genres können hier nichts falsch machen.
Fazit
Für mich kam die Konsolenversion – insbesondere die neue Switch-Fassung – von Victor Vran aus heiterem Himmel und hat mich bereits innerhalb der ersten fünf Spielminuten völlig überzeugt - zumal neben dem Hauptspiel noch zwei grandiose Add-Ons beiliegen, die weitere Stunden haarsträubende Action versprechen. Wer also dem Genre des Hack'n Slay nicht abgeneigt ist, sollte unbedingt ein Treffen mit Victor Vran einplanen.
Erhältlich für: Xbox One, PS 4, PC, Switch
Website: victorvran.com