Kartenspiele sind mir schon einige unter die Augen gekommen: Voice of Cards ist jedoch anders. Hier wurde die gesamte Story samt Erkundung und Kämpfe in Kartenform gepresst. Ob das Werk von Square Enix einen Ausflug wert ist, verrate ich euch im Test.
Der Eindruck täuscht
Beim ersten Blick auf Voice of Cards habe ich mir schon ein Urteil gebildet: Hier bekomme ich muntere Kartenduelle wie bei Magic: The Gathering oder Hearthstone geboten – aber weit gefehlt. Voice of Cards geht einen anderen Weg. Im Kern handelt es sich um ein ganz normales J-RPG, das mit einem außergewöhnlichen Look daherkommt.
Alles spielt sich hier auf Karten ab: Ihr habt eine Spielfigur, die euch so auch bei einem Brettspiel begegnen könnte. Mit dieser lauft ihr über eine Reihe von zugedeckten Spielkarten, die sich umdrehen, sobald ihr sie berührt. Voice of Cards simuliert damit sozusagen ein Echtzeit-Rollenspiel. Anhand der Motive auf den Karten könnt ihr euch dann vorstellen, wie die Gegend in 3D und mit hochauflösenden Texturen aussehen würde. Ja, das ist einzigartig, aber auch definitiv Geschmackssache. Meinen Kumpel Chris hatte das Spiel bereits nach den ersten Minuten verloren. Ich bin am Ball, ähm ... an der Karte drangeblieben.
Lahme Story, coole Kämpfe
Denn schon bald kommt ein kleiner Flow auf und ich habe mich an die eigenwillige Optik gewöhnt. Mein Held, der übrigens auf der Jagd nach einem bedrohlichen Drachen ist, versammelt immer mehr Recken um sich. Die braucht er auch gegen die finalen Kampf gegen das Untier. Ihr seht schon: Innovationspreise gewinnt die Story jedenfalls nicht. Auch die Art der Präsentation wirkt recht steril und manchmal langatmig. Hier stehen sich mehrere Karten gegenüber und treiben die Dialoge durch weitere Karten voran. Also wegen der Geschichte müsst ihr Voice of Cards zumindest nicht spielen.
Kommen wir doch zum Kern des Spiels: Die Kämpfe finden ganz in der alten Tradition von japani-schen Rollenspielen rundenbasiert statt. Stellt euch Voice of Cards wie ein Final Fantasy vor: Ihr lauft auf der Karte bzw. den Karten umher, bis euch ein Monster angreift. Dann wechselt das Spiel in den Kampfmodus. Dort greift ihr euch reihum an, was durch den Geschwindigkeitswert der einzelnen Charaktere bestimmt ist.
Seid ihr an der Reihe, entscheidet ihr, was ihr macht: angreifen, verteidigen oder ein Item benutzten. Entscheidet ihr euch für den Angriff, müsst ihr aus den Karten aus eurer Hand wählen. Diese gibt es in schwächerer Form und stärkerer Abwandlung. Während die normalen Angriffe nichts kosten, müssen die stärkeren Attacken mit Edelsteinen aufgeladen werden.
Routinierter Durchmarsch
Gerade zu Beginn ist eure kleine Truppe noch recht schwach auf der Brust – die Monster zum Glück aber auch. Das heißt aber, dass die Kämpfe fast alle nach dem Schema F ablaufen. Erst mit Anstieg der Levelgrenze bekommt ihr neue Fähigkeiten hinzu, was die Kämpfe wesentlich tak-tischer macht. Auch die Monster lernen dazu: So entwickeln die Feinde später Resistenzen gegen bestimmte Elemente, was manche Angriffe stark abschwächt. Daher ist es wichtig, dass ihr eure Truppe gegen alle Eventualitäten rüsten solltet. Das macht dann auch ordentlich Spaß, wenn man mal im Spiel drin ist.
Der Schwierigkeitsgrad richtet sich eher an Anfänger und Fortgeschrittene. Wirklich schwer wurde es nie – selbst die Boss-Fights waren immer gut zu überstehen. Nach rund 15 Stunden habt ihr dann genug gekämpft und das Ende gesehen – ein guter Wert für so ein Spielchen.
Fazit
Im Kern ist Voice of Cards ein ganz gewöhnliches Rollenspiel in japanischer Tradition. Lediglich die Optik lässt das Spiel aus der Masse hervorstechen – und hier scheiden sich die Geister. Wäh-rend einige dahinter den Versuch sehen das niedrige Budget zu kaschieren, jubeln andere die-sem Grafikstil in Form von Karten zu. Es ist also Geschmackssache. Die Spielmechanik selbst funktioniert jedoch bestens, wenn man sich mal an die Optik gewöhnt hat. Wer also Fan von JRPGs ist, der kann ich getrost einen Blick drauf werfen. Erwartet nur keine außergewöhnliche Story oder viele Nebenaufgaben. Für lange Winternächte ein gemütliches Spielchen.
Erhältlich für: PC, Switch, PS
Website: voiceofcards.square-enix-games.com/de_DE