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Warhammer 40,000 Inquisitor – Martyr

Diablo im All? Nicht ganz. Neocores Hack’n Slay schießt an manchen Stellen übers Ziel hinaus.

Endlich ist „Warhammer 40,000 Inquisitor – Martyr“ für die Konsole da! Es gab in diesem Jahr kaum ein Spiel, auf das ich mich mehr gefreut habe – mal abgesehen von den dicken Blockbustern, die jeder auf dem Schirm hat. Allerdings gibt es auch kaum ein Spiel in diesem Jahr, bei dem es mir schwerer fiel einen Test zu schreiben. Das hat gleich mehrere Gründe.

Zunächst einmal: Ich liebe das Warhammer-Universum. Das futuristische Setting gepaart mit ein paar Gothic- und Mittelalteraspekten fand ich schon immer interessant. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich mich jetzt nicht sehr gut in der Geschichte eben jenes Universum zurecht finde.

Bei „Warhammer 40,000 Inquisitor – Martyr“ vom ungarischen Team Neocore Games kommt hinzu, dass sie ihre Warhammer-Lizenz für einen „Diablo“-Klon verwenden, also ein waschechtes Hack’n Slay – was meinen Puls schon angenehm erhöht. Nach etlichen Verschiebungen komm ich nun endlich in den Genuss des Spiels… und bin geteilter Meinung.

Von wegen schnelllebige Zukunft

Die Macher von Spielen wie „The Incredible Adventures of Van Helsing“ haben längst bewiesen, dass sie sich im Genre auskennen. Doch bei „Martyr“ fehlt mir irgendwas. Versteht mich nicht falsch: „Martyr“ macht Spaß! Doch irgendwie kommt nicht richtig Schwung in die Sache: Die Story ist zum Beispiel nicht sonderlich fesselnd oder für Nicht-Kenner überhaupt verständlich – dafür machen die Cutscenes aber was daher.

Aber darauf kommt es letztlich ja auch nicht an. Widmen wir uns dem Gameplay. Nachdem ich mir eine der drei Klassen, die wiederum in drei Unterklassen eingeteilt sind, ausgesucht habe, beginnt das Tutorial. Fühlt sich schon ziemlich cool an, wenn ich mit einem übermächtigen Inquisitor hordenweise Feinde aus den Latschen puste.

Selbst das Deckungssystem mit jeder Menge zerstörbarer Objekte in den Levels bringt frischen Wind ins Genre. Doch an eins muss ich mich gewöhnen: Im Vergleich zu „Diablo 3“ geht hier alles wesentlich gemächlicher zur Sache. Das geht aber nach einer Weile in Ordnung und lässt mir mehr Raum, um mich im Areal nach nützlichen Gegenständen umzuschauen, mit denen ich mir gegen die Feinde einen Vorteil erringen kann.

Gefangen in der Zeitblase

Nur mit einer Sache kann ich mich immer noch nicht anfreunden: Dem elend langsamen Levelaufstieg. Es dauert gefühlt eine Stunde, bis ich einen einzigen Level gestiegen bin. Nach kurzer Recherche habe ich herausgefunden, dass es tatsächlich eine Stunde in Anspruch nimmt.

Das wäre ja noch zu verkraften, wenn mir dann der erhaltene Fähigkeitspunkt einen noch mächtigeren Krieger beschert – aber Pustekuchen. Zum Beispiel kann ich meine kritischen Treffen um sieben Prozent erhöhen – wow! – damit kann mich ja niemand mehr stoppen, oder?! Kurz gesagt: Ein Stufenanstieg fällt nicht wirklich ins Gewicht und fühlt sich nicht sonderlich toll an.

Erst mit jeder Menge Grinding verbesserst sich mein Held sichtlich. Meine Basiswert verbessere ich daher also lieber mit gefundenem Loot. Doch an dieser Stelle übertreibt es Neocore leicht mit den gefundenen Gegenständen: Ich ertappe mich immer wieder, wie ich mich durch mein volles Inventar wühle, um noch ein oder zwei Schadenspunkte rauszuholen, indem ich eine verbesserte Wumme ausrüste.

Nur leider ist der Unterschied zu marginal, als dass ich regelmäßig meine Ausrüstung wechseln würde. Zudem fühlt mir ein wenig die Übersicht – wo wir wieder beim Tutorial wären: Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mir nicht alle Funktionen erklärt wurden. Also folge ich zu Beginn stur den Story-Missionen.

Fast wie in Las Vegas

Diese lassen sich optisch übrigens sehr gut sehen: Abwechslungsreiche Gebiete, hübsch animierte Feinde und Action am laufenden Band, gepaart mit ordentlich viel Pixelblut, wie es sich für Warhammer eben gehört. Aber der Ablauf der einzelnen Missionen wiederholt sich viel zu schnell: Suche dies, zerstöre das oder beschützen jemanden. Mehr werdet ihr leider nicht finden.

Das wäre ja alles erträglich, wenn die Macher nicht so eine dicke Zufallskomponente eingebaut hätten: Denn der Ausgang einer Mission hängt oft (zu oft) nicht von euren Fähigkeiten ab, sondern vom Glück. Ein Beispiel: Ich habe eine Verteidigungsmission begonnen und mein zu beschützender Kommandant hat es nach fünf Minuten aus den Socken gehauen, ohne dass ich viel unternehmen konnte.

Nach einem Restart und mit exakt der gleichen Ausrüstung, samt fast gleichem Spielstil, war es plötzlich kinderleicht, bis zum Ende der Mission zu gelangen, da wesentlich weniger Feinde gemeinsam auftauchten. Ähnliches gilt auch für die normalen Missionen, bei denen ich wenigstens ein sehr faires Respawn-System habe.

Kommen wir der Form halber noch zum Multiplayer-Modus: Diesen hätte sich Neocore meines Erachtens sparen können, um den Fokus auf die Singleplayer-Kampagne zu verstärken. Denn im Koop-Modus mit Freunden, lokal oder online, macht ihr euch in extra Missionen auf die Suche nach elitären Gegnern und noch besserer Ausrüstung – Grinding vom Feinsten. Wer auf so was steht, ist herzlich willkommen. Mich hat das allerdings nach zwei, drei Einsätzen bereits gelangweilt.

Fazit

Das alles mag sich jetzt nicht sonderlich gut angehört haben. Aber lasst mich erklären, warum ich mit „Warhammer 40,000 Inquisitor – Martyr“ so hart ins Gericht gehe: Ich habe mich monatelang auf den Titel gefreut und es war nicht das Spiel, das ich erwartet hatte. An dieser Stelle sei gesagt: „Martyr“ ist bei weitem kein schlechtes Spiel – es ist aber auch kein herausragendes Spiel.

Viele der Spielmechaniken wirken in ihrer jetzigen Form eher als Ballast, der den Spaß ausbremst: Das fängt beim unmotivierten Loot an und endet beim lahmen Skill-Tree, der wenig Freude am Levelaufstieg aufkommen lässt.

Unterm Strich ist „Warhammer 40,000 Inquisitor – Martyr“ dennoch ein ordentliches Hack’n Slay, an dem Freunde des Genres ihren Spaß haben werden. Doch das nicht genutzte Potenzial des Spiels verursacht bei mir immer noch einen bitteren Nachgeschmack – echt schade drum.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: neocoregames.com/index.php/en/games/warhammer-40k-inquisitor-martyr