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Warhammer 40K Rogue Trader

Konkurrenz für Baldur's Gate? Hier schlagen Warhammer-40K-Herzen höher.

Eigentlich konnte es nicht gehen: Auf der diesjährigen gamescom bekamen wir von zwei Entwicklern aus dem Studio Owlcat ihr neuestes Werk präsentiert. Doch Warhammer 40K Rogue Trader ist ein Monster von einem Spiel, das man unmöglich in 45 Minuten komplett vorstellen könnte. Zumindest bekamen wir einen ersten Eindruck von dem taktisch angelegten Werk. Nun hatten wir endlich selbst ausreichend Zeit, um in die düstere Fantasy-Welt einzutauchen. Kommt mit auf eine spannende Reise.

Einfach mal eintauchen

Wer zuvor nichts oder nur rudimentär mit Warhammer 40K zu tun hatte, braucht keine Angst zu haben. Für Rogue Trader braucht ihr keinerlei Vorkenntnisse. Die Geschichte führt euch sachte in dieses Universum ein. Was ihr vielleicht für den Anfang wissen solltet, fasse ich schnell in ein paar Zeilen zusammen.

Anscheinend eilt euch euer Ruf voraus, nachdem ihr euren Charakter erstellt habt. Allein mit der Erstellung werdet ihr bereits einige Zeit verbringen. Zu Beginn der Story findet ihr euch auf einem gigantischen Raumschiff des Imperiums wieder. Angesiedelt ist Warhammer 40K übrigens im 40. Jahrhundert in einer Art Steampunk-Zukunft. Aber zurück zu euch: dieses Raumschiff wird von Lord Captain Theodora befehligt, die irgendwie mit euch verwandt ist. Sie selbst ist eine Rogue Trader (Freihändlerin) des Imperiums und sucht passenden Nachschub.

Was ist schon Zeit?

Im Prolog seht ihr bereits, wo die Reise spielerisch hingehen wird. Denn Warhammer 40K Rogue Trader lässt sich mal rund drei Stunden Zeit, um den Prolog zu erzählen. Wer hier schon nicht mehr kann, sollte erst gar nicht weitermachen. Rechnet ruhig mal mit einer knapp dreistelligen Stundenanzahl, um Rogue Trader zu beenden. Jedenfalls steht ihr am Ende des Prolog als frischer Lord Captain des Schiffes da - allerdings etwas unfreiwillig. Denn Theodora wurde Opfer eines Anschlags. Und scheinbar steht ihr nun auf der Abschussliste als nächstes. Wessen Abschussliste? Nun, das müsst ihr selbst herausfinden.

Zur Story verrate ich nichts mehr. Was mir gleich zu Beginn auffiel: Die Dialoge sind alle stimmungsvoll geschrieben und lassen euch immer wieder Entscheidungen fällen. Mal bekommt ihr dessen Auswirkungen direkt zu spüren, mal erst sehr viel später. Stellt euch aber darauf ein, dass ihr in Rogue Trader sehr viel lesen müsst. Mit den entsprechenden Skills oder den richtigen Antworten könnt ihr zudem vielen Kämpfen aus dem Weg gehen, was sich auch lohnen kann.

Taktisches Vergnügen

Die Kämpfe sind neben den Dialogen das zweite Standbein von Warhammer 40K Rogue Trader. Hier agiert ihr in XCOM-Manier Runde für Runde gegeneinander. Jeder eurer Recken – bis zu sechs Stück – darf eine Aktion ausüben und sich bewegen. Das kennt man bereits zu genüge. Woran ich mich zu Beginn stark gewöhnen musste, waren zwei Tatsachen: Friendly Fire und vorgegebene Level-Grenzen.

Friendly Fire ist genau das, wonach es klingt: Solltet ihr mal mit einer Handgranate oder einem Schuss etwas unbedacht sein, könnte es einen Kameraden oder eine Kameradin treffen. Also passt gut auf, wann ihr wen womit angreift. Mit Level-Grenzen meine ich, dass Gegner ähnlich wie bei einem Gothik-Spiel feste Level haben und sich nicht dynamisch anpassen. Daher lohnt sich das Erkunden der Gegend nach weiteren Gegnern oder Schätzen. Ob ihr dann einem Boss-Gegner mit Level 12 oder Level 8 gegenübersteht, macht einen riesigen Unterschied.

Berufe, Klassen, Skills

Apropos gegenüberstehen: in Rogue Trader dürft ihr zu Beginn zwischen vier Klassen wählen, die jeden Spielstil unterstreichen. Mit einem Scharfschützen beharkt ihr die Gegner aus der Ferne, während der Krieger lieber auf Tuchfühlung geht. Der Agent ist ein Allrounder, den ihr nach euren Wünschen formen könnt. Last but not least unterstützt euch der Offizier durch praktische Buffs im Kampf. In Rogue Trader heißen die Klassen übrigens Berufe und dürfen im Laufe des Charakterfortschritts zweimal verfeinert werden. So habt ihr ein paar kleine Kombinationsmöglichkeiten, mit denen ihr experimentieren könnt.

Aber Vorsicht: Überlegt euch ganz genau, welche Fähigkeit ihr hochleveln oder verbessern wollt. Denn Rogue Trader lässt euch ausgewählte Fähigkeiten oder verbrauchte Erfahrungspunkte nicht mehr rückgängig machen. Auf diese Art ist es also möglich, dass ihr euren Charakter etwas versauen könnt. Mein Tipp: Versucht keinen Allrounder herzustellen, sondern einen Spezialisten, der sich konkret in eine Richtung entwickelt. Beispielsweise braucht euer Scharfschütze keine Skills im Nahkampf. Klingt logisch, oder?

Auch das All ruft

Apropos leveln: Euer Raumschiff darf ebenfalls verbessert werden. Neue Ausrüstung und Schutz sind aber eher für das letzte Drittel des Spiels angedacht. Zu Beginn werdet ihr wenig mit Raumschlachten zu tun haben. Hier will Owlcat wohl noch was fürs Endgame bieten – und schafft das auch sehr gut. Vom Umfang her müsst ihr euch also nicht beklagen.

Was mir aber nach einer Weile etwas Mühe machte, waren die ganzen Dialoge, durch die ich mich wühlen musste. Rogue Trader hat unglaublich viele davon. Dadurch bekommt ihr zwar alles rund um dieses Fantasy-Setting mit, aber gerade in den späten Abendstunden war es dann doch etwas viel zu lesen. Ich weiß, dass ich da faul bin. Aber andere Spiele haben gezeigt, dass sich das auch mit etwas mehr Pepp präsentieren lässt.

Checkpoints?

Bevor ich zu meinem Fazit komme, habe ich noch einen kleinen Tipp: Speichert ab! Speichert oft ab! Und damit meine ich nicht nur die Momente vor den Kämpfen – wobei es sich bei denen am meisten lohnt. Damit geht ihr zumindest etwas auf Nummer sicher, dass ihr einen Charakter im Kampf nicht durch eine geskriptete Überraschung verliert. Aber auch die Dialoge können interessant sein, je nachdem, wie ihr euch entscheidet. Probiert es einfach mal aus. So, jetzt aber zum Fazit.

Fazit

Warhammer 40K Rogue Trader ist ein Monster von einem Spiel. Mit locker 100 Stunden solltet ihr etwas Zeit mitbringen, um alle fünf Kapitel ordentlich zu durchkämmen. Aber Umfang ist nicht alles: auch das Kampfsystem und die Geschichte machen einen sehr guten Eindruck – sofern ihr euch darauf einlasst. Denn besonders bei der Geschichte müsst ihr euch auf viel Lesestoff bereit machen. Das kann schon mal ermüdend wirken. Grafisch reißt Rogue Trader keine Bäume aus, wirkt aber oft sehr stimmig und interessant designt. Insgesamt kann ich Warhammer 40K Rogue Trader jedem Taktiker empfehlen, der schon immer mal tief ins Warhammer 40K Universum eintauchen wollte. Eine ebenbürtige Konkurrenz für Baldur's Gate 3 stellt das Spiel jedoch nicht dar. Dafür fehlt es noch ein wenig. Ein gelungenes Abenteuer hat Owlcat Games aber dennoch gezaubert, das euch viele Stunden unterhalten wird.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: roguetrader.owlcat.games