Fans von „Left 4 Dead“ haben es schon schwer: Seit fast neun Jahren lässt sich keine direkte Fortsetzung blicken. Doch nur, weil Publisher Valve sich in Schweigen hüllt und Rückhaltung übt, ist das Genre längst nicht am Aussterben.
Erst kürzlich hat „Earth Fall“ gezeigt, dass es zumindest geistige Nachfolger gibt. 2015 bereits punktete Fatshark mit „Warhammer Vermintide“ und verzauberte Spieler und Kritiker gleichermaßen. Nun also steht der zweite Teil der im Warhammer angesiedelten Ratten-Jagd an – und schraubt an genau den richtigen Stellen.
Alle für einen, einer für alle!
Grundlegend hat sich am Spiel dabei nichts geändert: In opulenten Missionen begebt ihr euch im Vierertrupp durch eine wunderschön gestaltete Fantasy-Welt, in der es nur so vor Skaven, rattenähnliche Wesen, wimmelt. Diese haben mit der Chaos-Fraktion neue Verbündete gefunden und greifen erneut an.
In den jeweiligen Abschnitten müsst ihr eigentlich nur von A nach B gelangen – das Spiel wirft euch aber immer wieder zufällig Horden von Gegnern entgegen, die in Anzahl und Variation unterschiedlich ausfallen. Teamwork ist hier oberstes Gebot, um nicht doch den scharfen Zähnen der Ratten zu unterliegen. Aber natürlich hat Fatshark bei „Warhammer Vermintide 2“ reichlich frische Ideen einfließen lassen, die das Spiel um ein gutes Stück verbessern.
Da wären zunächst einmal die kleinen technischen Neuerungen, die für ein runderes Spielerlebnis sorgen: Die Bildrate mit 30 FPS passt, die Steuerung sitzt präzise und die Kämpfe, besonders die aus der Nähe, fühlen sich noch wuchtiger an.
Auch die Spielersuche verläuft meines Erachtens wesentlich flüssiger, was aber auch daran liegen mag, dass viel mehr Spieler online sind – dem „Game Pass“ von Microsoft sei Dank, der „Warhammer Vermintide 2“ für alle Besitzer kostenlos zugänglich macht.
Die Qual der Wahl, bei der nichts schiefgehen kann
Kommen wir aber zu den Helden: Diese sehen nicht nur umwerfend aus, sondern glänzen zusätzlich mit fein geschriebenen Dialogen und toll ausgearbeiteten Animationen. Es macht einfach Spaß mit einem der insgesamt fünf Heroen in den Kampf zu ziehen – zumal diese nun auch aufleveln können. Ja, der Rollenspielanteil ist deutlich höher ausgefallen.
Jeder Charakter kann sich außerdem beim siebten und zwölften Stufenanstieg auf eine neue, zusätzliche Laufbahn konzentrieren, die den eigenen Spielstil unterstreicht. Aber keine Sorge: Keine Auswahl in Stein gemeißelt. Vor jedem Level dürft ihr eure Punkte frei umverteilen, um auch andere Stile auszuprobieren – klasse Sache, die unheimlich motiviert.
In den mehr als ein Dutzend Level werdet ihr die verschiedenen Stile auch bitter nötig haben, wenn ihr überleben wollt: Zum einen trefft ihr in den Arealen auf unterschiedliche Konstellationen von Gegnern, zum anderen ändern sich auch die Umgebungen stark: Mal kämpft ihr auf fast offener Fläche, mal in einem engen Verließ.
Jede Situation braucht ihre eigene Herangehensweise – und manchmal werdet ihr sogar belohnt, wenn ihr euch abseits der Hauptpfade bewegt, weil ihr so einen besseren Verteidigungspunkt findet. Allerdings birgt dies auch immer wieder ein Risiko, dass ihr in einer Sackgasse landet und euch eine mordlüsterne Truppe empfindlich am Lebensbalken knabbert. Doch in den meisten Fällen lohnt es sich.
Diesmal tut Loot wirklich gut
Um die Motivationsschraube weiter in die Höhe zu treiben, haben die Entwickler bei „Warhammer Vermintide 2“ Lootboxen eingebaut. Bevor ihr nun mit Heugabeln auf mich losgeht: Diesmal sind die Lootboxen etwas Gutes – glaubt mir. Zumal sie nicht mit Geld zu erwerben sind. Es ist die Art, wie ihr in und nach den Levels belohnt werdet.
Einige Faktoren spielen dabei eine Rolle: Wie gut ihr euch geschlagen habt oder wie viele geheime Bücher ihr gefunden habt, zum Beispiel, fließen in die Bewertung mit ein und erhöhen die Chance auf bessere Ausrüstung. Besonders die Sache mit den geheimen Büchern ist eine clevere Idee: Findet ihr eins dieser Dinger, müsst ihr überlegen, ob ihr es wirklich mitnehmen wollt.
Denn es gibt einen Haken an der Sache: Nehmt ihr ein Buch auf, stopft es euch einen Inventarplatz voll, der ansonsten für Heiltränke oder Granaten reserviert wäre. Aber nicht nur die Charakterentwicklung, sondern auch das eigentliche Gameplay funktioniert bei „Warhammer Vermintide 2“ tadellos: Wie bereits gesagt, fühlen sich die Nahkämpfe, das Herzstück des Spiels, so wuchtig und befriedigend an, dass ich auch nach mehreren Stunden meine Freude daran hatte: Blocken, zurückstoßen, angreifen und niedermetzeln – die Zutaten für einen saftigen Ratten-Auflauf.
Auch wenn jeder der Helden über eine Fernkampfattacke verfügt, die übrigens auch angenehm unterschiedlich sind, seid ihr früher oder später zum Nahkampf gezwungen – und der spielt sich einfach spitze. Für noch mehr Abwechslung sorgen tägliche und wöchentliche Aufgaben und die besonders fordernden Heldenaufgaben, die ihr allerdings nur einmal starten dürft. Dafür solltet ihr dann schon eine eingeschworene Truppe sein, die sich bestens untereinander koordinieren kann.
Fazit
An fast jeder Stellschraube des Vorgängers hat Fatshark bei „Warhammer Vermintide 2“ diesmal gedreht. Das Ergebnis: Eine rundum verbesserte Hatz nach Ruhm, Ehre, Ratten und Chaosritter. Die Missionen sind knackig, verwöhnen das Auge, fühlen sich spielerisch fantastisch an und schüren das Teamwork. Einen besseren Nachfolger hätte es für „Warhammer Vermintide“ oder sogar „Left 4 Dead“ kaum geben können. Hut ab!
Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website: vermintide.com