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Wartile

Echte Wikinger: Ein Diorama von seiner schönsten und brutalsten Seite.

Was würde passieren, wenn man ein Brettspiel eins-zu-eins als Computerspiel umsetzen würde? Also ich meine hier auch in grafischer Hinsicht. Und eben nicht nur ein normales Brettspiel, sondern ein Tabletop-Epos wie „Warmhammer 40K“, so richtig mit handbemalten Figuren, ausladenden Spielflächen und Hexagon-Feldern, auf denen sich Figuren bewegen dürfen. Genau dieses Experiment versucht „Wartile“ von Entwickler PlayWood Project Aps und Herausgeber Deck13. Willkommen in einem etwas anderen Reich der Wikinger!

Zu schön zum Spielen

Bevor ich zum eigentlichen Inhalt von „Wartile“ schwenke, muss ich mich über die Grafik auslassen: Das haben die Programmierer wirklich fantastisch hinbekommen. Die einzelnen Figürchen sehen aus als ob sie direkt aus der Fertigung für Spielfiguren kämen: Detailverliebt, individuell „bemalt“ und hübsch anzuschauen.

Auch die Umgebungen sehen beeindruckend aus: Ich habe fast das Gefühl auf ein lebendiges Diorama zu blicken, bei dem sich aber nur was bewegt, wenn ich es möchte. Womit wir schon beim Spielkonzept wären. „Wartile“ zeigt sich euch als eine Art Echtzeitstrategie-Spiel, wobei „Echtzeit“ etwas vorsichtig verwendet werden sollte.

Jedenfalls habt ihr hier kein rundenbasiertes Spielchen, wie ich anfangs anhand der Screenshots dachte. Bei Echtzeit gehe ich allerdings immer davon aus, dass eben alles in Echtzeit abläuft – tut es aber nicht. Lasst mich das mit einer einfachen Szene erklären, nachdem ich das Konzept grob umrandet habe.

Zieht in die Welt

Die Story von „Wartile“ treibt euren Wikingerhäuptling durch die Welt, um auf die Suche nach einem Heilmittel für eine Seuche Ausschau zu halten. Sonderlich stark ist die Geschichte jetzt nicht und hat mich auch nie wirklich gefesselt. Verbuchen wir es unter dem Begriff „zweckmäßig“. Jedenfalls werdet ihr von Mission zu Mission geschickt, die jeweils durch eines dieser Dioramen repräsentiert werden.

Dies ist dann das Schlachtfeld, auf dem sich das Geschehen abspielt. Das gesamte Spielfeld ist in Hexagone eingeteilt, auf denen ihr euch frei bewegen dürft. Egal ob ihr die Mission mit einem oder mehreren Helden startet, könnt ihr entweder einzeln oder in der Truppe voranschreiten.

Jede Figur hat pro Zug eine bestimmte Reichweite, bevor sie sich kurz ausruhen muss. Klingt merkwürdig, aber geht sehr schnell ins Blut über. Gegner auf der Karte bewegen sich erst, wenn ihr in ihre Reichweite kommt. Dann geht das Geschehen wirklich in Echtzeit weiter. Aber machen wir das an einem Beispiel deutlich.

Positionskämpfe

Ein Krieger und ein Bogenschütze sind am Strand gelandet. Ich wähle beide aus und bewege mich in Richtung einer Schatztruhe, die neun Felder entfernt steht. Jeder läuft seine vier bis fünf Felder, bleibt kurz stehen, lädt seine Aktionsleiste auf und hüpft dann weiter zum Schatz. Per Knopfdruck öffne ich die Kiste und finde eine neue Axt – die ich allerdings erst nach Abschluss der Mission ausrüsten darf.

Anschließend nähere ich mich einem Gebiet mit drei Feinden. Halte ich den Cursor über die Feinde, dann sehe ich, in welchem Radius sie agieren. Dementsprechend halte ich mich zunächst außerhalb des Radius auf und positioniere meine beiden Helden an strategischen Punkten, lege schon mal zwei Fallen aus und rücke dann mit meinem Krieger in den roten Radius.

Plötzlich kommt Bewegung ins Spiel: Die Feinde hüpfen ebenfalls auf mich los und greifen an. Bei Kontakt agieren meine Helden automatisch. Ich kann ihnen aber auch Befehle erteilen, welches Ziel sie attackieren oder ob sie eine Fähigkeit einsetzen sollen.

Das läuft alles ziemlich geschmeidig ab, wenn auch manchmal chaotisch bei größeren Heeren. Ist eine kleine Gewöhnungssache, passt aber spielerisch. Ihr seht (hoffentlich): Es ist eine Mischung aus Runden- und Echtzeitstrategie.

Loot tut eigentlich gut

Habe ich meine Missionsziele erledigt, was meist das Auslöschen der Feinde auf der Karte beinhaltet, geht es ins Zwischenmenü. Dort darf ich neuen Loot verteilen und die nächste Mission auswählen. Etwas schade fand ich, dass sich gefundene Ausrüstungsgegenstände nicht so sonderlich auf meine Helden auswirken, wie bei anderen Rollenspielen.

Auch hier gilt: Das gesamte Loot ist „zweckmäßig“. Nach rund fünf Stunden habt ihr das Ende vor Augen, was aufgrund des spielerischen Konzepts auch völlig in Ordnung geht: Bevor es zu ermüdenden Wiederholungen im Gameplay kommt, ziehe ich doch lieber einen Strich unter die Story – das passt für mich, da ich mich nach der Kampagne fast satt gesehen habe an dem Stil. Andere mögen die Kürze der Spielzeit vielleicht etwas kritisieren.

Fazit

„Wartile“ ist ein netter Ausflug in das Strategie-Genre, den ich für die kurze Spieldauer genossen habe. Das Konzept mutet anfangs merkwürdig an, macht aber Laune. Nur auf Dauer birgt das spielerische Prinzip zu wenig Abwechslung und zu wenig Inhalte – angefangen beim Missionsdesign bis hin zum Loot. Dennoch haben Entwickler PlayWood Project Aps und Herausgeber Deck13 ein schickes Spielchen abgeliefert, das zumindest optisch länger in Erinnerung bleiben wird.

Erhältlich für: PS4, Xbox One, PC
Website:
spotlight.deck13.com/games/wartile