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Welcome to Paradize

Eine Action-RPG-Perle unter verrottetem Fleisch.

Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden. So in etwa kann man die Ge-schichte zwischen mir und Welcome to Paradize beschreiben. Denn mein Erstkontakt mit dem Spiel war alles andere als hitverdächtig. Auf der gamescom 2023 war ich bei Nacon zum Anspielen eingeladen – einer der Titel: Welcome to Paradize. Ich bekam hier etwas wirr ein paar Szenen gezeigt, eine sichtlich nervöse Erklärung eines netten Entwicklers und das war es dann. Sah alles ganz nett aus. Aber so richtig konnte ich mir keinen Reim darauf machen. Ein Glück, dass ich nicht gleich aufgegeben hatte. Denn nun steht Welcome to Paradize in den Regalen und ich muss sagen: Echt cool, das EKO Software und Nacon da auf die Beine gestellt haben.

Wieder das Gleiche in faulig?

Eigentlich bin ich Zombies und der Postapokalypse in Spielen überdrüssig. Allein beim Wort „Zombie“ verdrehe ich schon die Augen und bin gedanklich weg. Als mir bei Welcome to Paradize gleich ein paar verfaulte Gesichter entgegen schauen, muss ich meinen Unmut leicht unterdrücken. Doch ganz schnell nimmt die Sache hier einen unerwarteten Verlauf. Denn hier im Spiel haben die Menschen gelernt, wie man mit den Zombies lebt. Ein modischer Helm mit allerlei Elektronik wird den Biestern auf den Kopf gesetzt und schuppdiwupp hat man einen prima Diener an seiner Seite. Das ist neu.

Als Überlebender der Apokalypse will ich mich bis in ein Örtchen namens Paradize vorkämpfen: Dort soll man in Frieden mit den Zombies leben können, ohne sich täglich ums Ableben zu fürchten. Doch als ich dort ankomme, merke ich, dass die Dystopie nicht ganz mit dem vermittelten Fernsehbild übereinstimmt. Irgendwas ging hier mächtig schief. Die meisten Bewohner sind entweder tot oder auf den Mond abgedampft. Die Vision von Alan Tusk (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind natürlich rein zufällig) ging nicht auf. Aber es gibt auch gute Neuigkeiten. Weil ich so hilfsbereit bin, bekomme ich einen dieser schicken Helme, um meinen ganz eigenen Zombie neben mir zu haben.

Über den Wolken

Die Story von Welcome to Paradize dreht sich dann daraum, dass wir ebenfalls zum Mond fliegen wollen und vorher eine Rakete benötigen. Aber das ist nur nettes Beiwerk. Vielmehr steht das Überleben und actionhaltige Gameplay im Mittelpunkt. Denn das macht mächtig Spaß. Aus der erhobenen Iso-Perspektive schlendere ich durch diese schöne Postapokalypse und verdresche massenweise Zombies – zunächst nur mit einem Stock. Doch je mehr Material ich sammel, desto ausgefallener werden meine Waffen. Vom Baseballschläger geht es später zu Boomerangs, Speeren oder Kettensägen. Aber auch Luftpistolen, Maschinengewehre oder Flammenwerfen können helfen. Und all das in einem heiteren, schwarzen Humor eingetaucht.

Ich rechne es EKO Software hoch an, dass sie bei Welcome to Paradize nicht zu sehr auf Survival und mehr auf Action gesetzt haben. Ihr müsst zwar hier und da mal was trinken oder Verbände anlegen, aber größtenteils ist es mehr ein Action-Rollenspiel ohne diese nervigen Mechaniken. Und das Beste sind tatsächlich die Zombies an eurer Seite. Diese dürft ihr wie Pets ausrüsten und Befehle erteilen. Sie agieren aber auch ganz autark, wenn ihr sie lasst. In den drei großen Fähigkeitsbäumen könnt ihr entweder auf euch oder die Zombies setzen.

Dein Stil – deine Apokalypse

Wollt ihr ein starker Nahkämpfer sein? Kein Problem! Wollt ihr lieber aus der Ferne attackieren? Geht ganz einfach! Oder wollt ihr die Zombies für euch die Drecksarbeit erledigen lassen? Na klaro! Später rekrutieren eure Zombies sogar eigene Zombies, wenn ihr genügend Fähigkeitspunkte investiert – irgendwie süß. Damit wird es bei Welcome to Paradize nicht so schnell langweilig.

Übrigens habt ihr im Spiel eine offene Welt vor euch. Diese wird nur durch natürliche Grenzen wie Level-Stärke etwas eingeschränkt. Es gibt Gebiete, in denen solltet ihr euch anfangs nicht aufhalten. Denn die Viecher dort hauen euch mit wenigen Schlägen ins Grab. Und sollte das passieren, taucht ihr gleich am nächsten Terminal wieder auf – und verliert ein paar Erfahrungspunkte. Alles halb so wild.

Baue, baue

Nebenher könnt ihr noch eine kleine Basis errichten, in der ihr Sachen lagert und neue Waffen herstellt. Außerdem dient dies auch als Schnellreisepunkt, von denen ihr in der Welt von Welcome to Paradize so einige finden werdet. Dadurch kommt ein klein wenig Base-Building-Feeling auf.

Aber ganz besonders möchte ich den Humor nochmals erwähnen: Es ist herrlich, wie sich Welcome to Paradize über aktuelle Entwicklungen lustig macht. Dieser Alan Tusk hat beispielsweise den Hyperloop erfunden, will alles überall mit Strom versorgen und ist mit seiner eigenen Rakete in den Weltraum abgedüst. Ja, hier wird einiges durch den Kakao gezogen. Aber es gibt auch dunkle Seiten.

Hat das ein Zombie geschrieben?

Den Einstieg ins Spiel empfand ich als teilweise zäh, da spielerische Inhalte nur teilweise oder gar nicht erklärt werden. Zum Beispiel habe ich anfangs nur einen Talentbaum entdeckt oder musste bei einer Quest ewig umherlaufen, ohne zu wissen, was eigentlich Sache ist. Ich weiß nicht genau, warum es mir so ging. Aber an einigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Hilfe gewünscht. Nett sind jedenfalls die Bücher, die ihr finden könnt: Dort seht ihr bestimmte Setups für eure Zombies und wie ihr sie einsetzen könnt. Da sind schon gute Ideen dabei.

Grafisch wirkt Welcome to Paradize schön bunt und gleichzeitig blutig detailverliebt – jedenfalls aus der Ferne. Die Charaktere sehen in der Nahansicht nicht immer schön aus. Auch bei den Lichtverhältnissen zerhaut es hier und da den Screen. Das Technik-Gerüst steht da manchmal auf wackeligen Beinen. Aber da wir so weit weg vom Geschehen sind, macht das nicht sonderlich viel aus.

Übrigens könnt ihr Welcome to Paradize auch zu zweit spielen. Und dann kommt richtig Spaß auf. Natürlich herrscht dann schnell Chaos, aber darauf ist das Spiel auch ausgelegt. Allerdings ist es etwas einfacher, eine feindliche Zombie-Basis einzunehmen, wenn man koordiniert vorgehen kann. Dort verbergen sich dann zudem immer wertvolle Materialien oder Ausrüstungsstücke. Erkunden lohnt sich also.

Fazit

Kurz gesagt: Ich bin von Welcome to Paradize positiv überrascht worden – ja, ich hatte sogar sehr viel Spaß mit dem Spiel. Das habe ich so nicht kommen sehen. Wenn ihr beim Wort Zombies nicht gleich die Flucht antretet, dann schaut unbedingt hier mal rein. Als Action-RPG und Koop-Titel kann ich euch diese kleine Software-Perle nur wärmstens ans Herz legen. Zombie: Halt deinen Daumen hoch!

Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: welcometoparadize-game.com/en-US