Wenn ich den Titel Monster Hunter erwähne, haben die meisten Zocker:innen eine genaue Vorstellung vom Gameplay. Denn Monster Hunter definierte quasi ein eigenes Sub-Genre. Nun geht auch EA in der Nische wildern. Entwicklungsstudio Omega Force, die Teil von Koei Kemco sind, zeigen in Wild Hearts ihre Version der Giganten-Jagd. Schauen wir uns das mal an.
Alleinstellungsmerkmale?
Die erste Frage, die ich mir stellte: Braucht es eigentlich einen Monster Hunter Klon? Eindeutig nicht. Daher muss Wild Hearts ein eigenes Konzept vorlegen, dass sich vom großen Vorbild unterscheidet – und das macht es tatsächlich auch. Grundsätzlich seid ihr hier zwar auch auf der Jagd, aber eben mit anderen Mitteln.
Die Geschichte spinnt sich um einen namenlosen Krieger oder eine Kriegerin, die ihr selbst gestalten dürft. In dem Fantasy-Reich seid ihr besonders fähig im Erspüren und Jagen von Kemonos, so werden die Monster hier genannt. Mehr Story braucht ihr aber nicht zu erwarten. Denn Wild Hearts konzentriert sich stark auf das Gameplay. Und das lautet, wie auch bei Monster Hunter: suchen, kämpfen, verbessern, suchen, kämpfen … ihr versteht.
Das System funktioniert aber ganz gut. Anfangs werdet ihr behutsam an das Kampfsystem herangeführt, das sich für mich persönlich etwas wild und nicht ganz koordiniert anfühlt – aber ähnlich ging es mir schon so beim direkten Konkurrenten. Dennoch bekomme ich meine Attacken schnell gebändigt, sammle Rohstoffe und erkunde die Gegend. Gerade zu Beginn hält euch Wild Hearts fest an der Hand, was Neulingen zugutekommen wird.
Gamechanger
Die erste Begegnung mit einem Kemono weiß Omega Force in Szene zu setzen. Danach beginnt der eigentliche Spaß und eine zentrale Spielmechanik wird vorgestellt: die Karakuri. Darunter sind Hilfsmittel zu verstehen, die ihr jederzeit durch magische Kräfte aktivieren könnt. Grundsätzlich unterscheidet Wild Hearts drei unterschiedliche Karakuris. Zum einen wären die Geräte, die euch beim Erkunden und der Fortbewegung helfen. Dann die Dinge, die euch im Kampf unterstützen. Und zu guter Letzt die Objekte, die ihr im Lager braucht.
Um es bildlicher zu machen: Gleich zu Beginn lernt ihr innerhalb von wenigen Augenblicken eine Kiste zu beschwören. Springt ihr darauf, katapultiert sie euch in die Höhe. Das ist praktisch, um höhere Gebiete zu erreichen, aber es hilft euch auch im Kampf: Denn mit gezückter Waffe richtet ihr mit diesem Sprung ganz schön viel Schaden an. Die Blöcke können aber auch als Schutz vor einem anbrausenden Feind dienen. Cooles System, das definitiv einen Unterschied macht.
Im Kampf dürft ihr mit den verschiedenen Karakuris herumexperimentieren, um die beste Taktik gegen die gigantischen Viecher herauszufinden. Das motiviert schon für eine lange Zeit. Außerdem dürft ihr euch für eine Waffengattung entscheiden und diese kontinuierlich verbessern. Unter anderem gibt es einen Schirm, mit dem ihr kämpfen dürft. Schon etwas abgefahren.
Beeindruckend, aber auch etwas lahm
Aber kommen wir zu den Hauptakteuren des Spiels: Die Kemono sind zwar wilde Monster, aber meines Erachtens weniger wild als in Monster Hunter. Das liegt daran, dass Wild Hearts ganz gewöhnliche Wald- und Haustiere nimmt und diese zu einer Riesen-Form aufbläst. So bekommt ihr es mit überdimensionierten Ratten, Schweinen, Hühnern oder Wölfen zu tun. Ja, die Viecher sehen ganz gut aus, reißen mich aber weniger vom Hocker. Dennoch sind die Kämpfe immer sehr intensiv und vielleicht einen Tick zu lang. Wenn ihr am Ende siegreich seid, fühlt sich das verdammt gut an. Und das ist ein Kompliment ans Spiel.
Bei dem technischen Grundgerüst steht Wild Hearts auf einem soliden Boden. Grafisch blitzt hier und da immer wieder eine tolle Inszenierung durch. Aber einige Clipping-Fehler trüben das Vergnügen. Auch die Animationen sind nicht immer eindeutig zu lesen. Mir fiel es oft schwer die Bewegungen der Gegner genau vorauszusagen. Aber das könnte auch nur Geschmackssache sein. In Sachen Soundkulisse gibt Wild Hearts dafür richtig Gas. Wenn die Giganten brüllen oder auf euch zustürmen, hat das schon Klasse.
Fazit
Zusammenfassend kann man Wild Hearts als durchaus gelungenen Start einer möglichen neuen Reihe bezeichnen. Es hat zwar deutliche Ecken und Kanten, macht aber auch über weite Strecken Spaß. Und das hat vor allem mit den Karakuris zu tun. Das Experimentieren mit den unterschiedlichen Hilfsobjekten unterhält auch nach Stunden immer noch bestens. Nur in Sachen Abwechslung und Endgame sollte Wild Hearts noch eine Schippe drauflegen. Für alle, die immer schon mal auf Monster-Jagd gehen wollten, könnte dies ein guter Einstieg sein.
Erhältlich für: PC, Xbox, PS
Website: ea.com/de-de/games/wild-hearts/wild-hearts