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Willy's Wonderland

Ein Schlag ins Gesicht: Bei Willy fliegen die Fäuste.

Ich gebe ehrlich zu, dass ich bei dem Titel auf andere Gedanken kam. Dass Willy's Wonderland ein Spiel zu einem Film ist, wusste ich anfangs nicht. Was Spiel und Film miteinander zu tun hat und wer von beiden besser abschneidet, klärt der Test.

Cage in the House

Kommen wir zunächst zum Film aus dem Jahr 2021, der völlig unter meinem Radar flog. Nachdem ich mir kurz den Trailer angeschaut habe, war klar: will ich sehen! Denn hier spielt Nicolas Cage in der Hauptrolle – allein das reicht schon. Jedenfalls landet er laut Trailer irgendwo im amerikanischen Hinterland in einer angehalfterten Spielhalle. Diese soll er säubern. Was er noch nicht weiß: Die animatronischen Figuren haben einen echten Killer Instinct, den sie nachts ausleben. Mehr braucht ihr nicht zu wissen.

Das Spiel von QUByte Interactive nimmt den Film grob als Vorlage, um euch auf ein 2.5-D Beat'm Up zu schicken. Also im Grunde handelt es sich um einen 2D-Sidescroller, bei dem ihr noch minimal in die Tiefe gehen könnt. Kennt ihr bereits auf Double Dragon, Streets of Rage oder Turtles in Time. Nur ist Willy's Wonderland weit weg vom Kultstatus dieser Spiele.

Auswahl? Egal!

Ihr sucht euch zu Beginn des Spiels einen von zwei Charakteren aus. Einen Mann oder eine junge Frau. Optisch haben die beiden wenig mit den Charakteren aus dem Film zu tun. Anschließend wählt ihr die Stage aus, in der ihr starten wollt. Zu Beginn ist natürlich nur Stage 1 verfügbar. Später könnt ihr jede der 8 Stages so oft spielen, wie ihr wollt. Wenn ihr wollt.

Ohne große Worte geht es in Willy's Wonderland. Das Gameplay ist simpel: Per Knopfdruck teilt ihr Schläge oder Tritte aus. Mit einem anderen Knopf sprintet ihr durch Feinde und werft sie damit um – dieser Move steht euch allerdings nur begrenzt zur Verfügung. Außerdem könnt ihr springen und noch eine Wirbel-Attacke starten. Das war's auch schon mit der Steuerung.

Stupide Prügeleinlagen

Die ersten Gegner sind schnell zerschlagen. Sonderlich viel halten die nicht aus. Dann treffe ich auf einen Vogel Strauß. Der Kerl ist schon zäher. Fast hätte ich ihn mit dem Endboss des Levels verwechselt. Doch kaum hab ich das Federvieh niedergestreckt, warte der echte Boss auf mich. Der Kampf gegen den Gorilla auf der Toilette fordernd schon mehr – und lässt die offensichtlichen Schwächen von Willy's Wonderland besser zum Vorschein kommen.

Denn kurz gesagt, fühlen sich die Kämpfe hakelig an. Das Blocken funktioniert teilweise, geht aber nur merkwürdig mit Schlägen über. Sobald ihr mal einen Schlag kassiert habt, war es das mit dem Blocken. Dann bekommt ihr eine ganze Salve ab und fliegt meist zu Boden. Liegt der Gegner auf dem Boden, solltet ihr schnell weg. Denn sobald jemand wieder aufsteht, kassiert ihr von ihm garantiert einen Schlag oder Tritt, ohne was dagegen machen zu können.

Der Nächste bitte?

Wenn ihr einen Level geschafft habt, bleibt Willy's Wonderland seltsam emotionslos. Die Zeit, Punkte und Anzahl der Tode wird eingeblendet. Danach wird gefragt, ob ihr wieder ins Hauptmenü wollt. Das Spiel versucht erst gar nicht, euch eine Geschichte zu erzählen. Fast kommt es mir vor, als wolle das Spiel auch nicht, dass ihr länger am Stück spielt. Irgendwie merkwürdig.

Die Boss-Kämpfe sind ebenso eine Sache. Manche sind kinderleicht, andere fast schon unfair. Das liegt zum einen an den Bewegungsmustern, zum anderen an den eigenen Schlägen und Tritten, die nicht immer treffen. Das Gameplay ändert sich auch nicht von Level zu Level. Hier kehrt schnell der Alltag ein.

Als Snack gedacht

Positiv festhalten muss man hingegen, dass die Level recht kurz sind. Daher fällt die wenige Abwechslung kaum ins Gewicht. Nur die Gegner werden immer stärker und lästiger. Auf Dauer ist das aber schon eine recht monotone Angelegenheit. Zumindest darf man sich auf die Bosse freuen. Oder kommt mehr Abwechslung ins Spiel, wenn man die Charaktere wechselt? Nein, leider nicht. Auch hier ist alles beim Alten. Beide Charaktere spielen sich exakt gleich, was etwas schade ist.

Grafisch zündet Willy's Wonderland nun auch kein Feuerwerk ab. Die Figuren sehen okay aus, aber das war’s auch schon. Die Level hingegen wirken sehr fade und bleiben kaum im Gedächtnis. Auf Interaktionen mit Gegenständen in den Levels hat das Team von QUByte vollkommen verzichtet. Auch wieder eine entgangene Chance.

Fazit

Solltet ihr Lust auf wenig Prügelei ohne Sinn und Verstand haben, dann könnte Willy's Wonderland genau euer Ding sein. Das Spiel will nicht viel von euch – nur sehr seichte Unterhaltung. Wer allerdings etwas mehr von einem Beat'm Up erwartet, wird bei Willy‘s Wonderland wohl herbe enttäuscht werden. Dem Spiel fehlt es an Abwechslung und Innovationen. Selbst mit grundlegenden Elementen wie der Steuerung hat der Titel bereits zu kämpfen. Auch grafisch reißt das Spiel keine Bäume aus. Von daher eher als Snack zwischendurch vormerken, der euch schnell wieder aus dem Gedächtnis fliegen wird. Dennoch hat mich das Spiel auf den Film aufmerksam gemacht, den ich mir jetzt mal anschauen werde.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch
Website: mitogames.com.br/project/willys-wonderland