Alle Jahre wieder steht den Rennspielfans ein heißer Konsolen-Spätsommer bevor. BigBen hat ja nunmehr schon etliche Jahre Erfahrung und schickt mit WRC 10 seine Rallye-Fortsetzung zur aktuellen Saison mit allen offiziellen Fahrern, Autos und Kursen in den Ring beziehungsweise auf die Strecke.
Übung macht den Meister
Ich erinnere mich noch, als ich vor einigen Jahren, quasi am Anfang meiner Spieletester-„Laufbahn“ stand und voller Spannung eines meiner ersten Spiele erhielt. Es hieß WRC 5 und meine Erwartungen wurden seinerzeit nur bedingt erfüllt. Doch auch die Entwickler von BigBen haben ebenso wie ich im letzten halben Jahrzehnt an Erfahrung gewonnen – und so bietet das letztjährige WRC 9 doch ein ziemlich hohes Niveau und kann es durchaus mit den Referenzspielen der DiRT-Reihe aufnehmen.
Allerdings fehlten mir die Innovationen. Das soll sich dieses Jahr ändern. WRC 10 baut auf einem soliden Fundament auf, was die technische Präsentation und die bei einem Rallyespiel sehr ansprechende Fahrphysik anbelangt. Darüber hinaus hat man der Konkurrenz natürlich auch die offizielle Lizenz voraus - WRC 10 bietet alle offiziellen Teams der WRC, bis runter zur Junior WRC, mit originalgetreuen Fahrzeugen der verschiedenen Hersteller. Auch die Fahrer inklusive deren ebenso wichtigen Co-Piloten sind im wahrsten Sinne des Wortes mit an Bord.
Zeitreise gefällig?
Im Gegensatz zu WRC 9 fokussiert sich WRC 10 auf die Historie der Rallye-Geschichte: Nun könnt ihr insgesamt 20 herausfordernde Events quer durch die Geschichte dieses Motorsports spielen. Beginnen könnt ihr im Jahr 1973 in Griechenland und euch dann durch sechs legendäre Rallyes in der Zeitgeschichte fahren – dabei landet ihr auch mal am anderen Ende der Welt in Neuseeland. Nacon und BigBen haben euch dafür extra 20 ikonische Rallye-Autos zur Verfügung gestellt, bei denen das Rennfahrerherz höher schlägt. Coole Idee, die euch über mehrere Stunden bei Laune halten wird.
Technik, die begeistert
Die verschiedenen Strecken bieten, wie auch im Original, verschiedene Untergründe. Es gibt Asphalt, Schlamm, Schnee und Geröll in unterschiedlichen Berg- und Tal-Regionen – das Kurvenverhalten und die Bremswege sind von der jeweiligen Strecke abhängig. Gerade die Station in Kenia bietet mit Fahrten durch die weitläufige afrikanische Savanne eine gelungene Abwechslung zu den meist engen Etappen der anderen Länder.
Wie in echt kann eine Etappe dann auch mal locker 15 bis 20 Kilometer lang sein und erfordert, gerade ab einer mittleren Schwierigkeitsstufe, höchste Konzentration und höchstes Fahrkönnen. Eine Rückspulfunktion wie in den meisten anderen Rennspielen gibt es nicht, wodurch jeder kleine Fehler sofort bestraft wird. Mit aktiviertem Schadensmodell ist dann sogar ein vorzeitiges Ausscheiden möglich, wenn ihr das eine oder andere Mal zu oft über die Fahrbahngrenzen hinaus geratet.
Never change a winning „Fahrphysik”
Ist euch der Vorgänger bekannt, so werdet ihr euch hinsichtlich der Fahrphysik umgehend vertraut fühlen. Und das ist auch gut so – die Rallyeboliden verhalten sich mit ihrem Hang zum Übersteuern durchaus nachvollziehbar und unterstreichen den Anspruch einer realistischen Simulation. Anders als beispielsweise bei Project CARS 3 oder einem Forza Horizon solltet ihr also keine entspannte Spazierfahrt mit Arcade-Anleihen erwarten.
Auf Wunsch stehen euch natürlich auch diverse Fahrhilfen wie Traktionskontrolle oder ABS zur Verfügung – die wahren Profis unter euch können dies aber auch alles deaktivieren und das Fahrzeug-Setup bis ins Detail auf die jeweiligen Streckenbedingungen anpassen. Denn wie bereits vorher erwähnt bieten verschiedene Rennen auch verschiedene Beläge an, sei es nun Asphalt, Schotter, Schnee oder Eis.
Karriere mit viel Potenzial
Auch in WRC 10 dürft ihr weiterhin an eurer eigenen virtuellen Karriere basteln. Im Gegensatz zum Vorgänger steigt WRC 10 hier noch tiefer ins Geschehen ein: Hier ist nicht bloß Können hinterm dem Steuer gefragt, sondern auch eure Management-Skills, denn ihr kümmert euch auch um das Personal, die Fahrzeugentwicklung und die Finanzen.
Ja, ihr dürft sogar euren eigenen Rennstall eröffnen. Das kann besonders Anfänger leicht überfordern. Also geht es locker an. Apropos Anfänger: Wenn ihr neu seid bei WRC, dann empfehle ich euch definitiv erstmal WRC 9 auszuprobieren. Warum? Weil ihr dort wesentlich übersichtlichere Tutorials bekommt und sanfter ins Spiel reinfinden werdet.
Lack ab?
Passend zur neuen Optik, die auf den aktuellen Konsolen wirklich verdammt gut aussieht, spendiert euch WRC 10 noch ein nettes Feature, das es mir etwas angetan hat: Der Lackeditor. Wie damals in Need for Speed Underground kann ich hier meine Boliden mit eigenen Farben, Stickern und Muster verzieren, um so meinen individuellen Style ins Rennen einzufügen. Besonders nach langen, stressigen Rennen macht das durchaus Spaß und schraubt den Puls nach unten. Coole Idee!
Auch an einen Mehrspielermodus wurde gedacht – wer möchte, kann sich also auch online in öffentlichen oder privaten Lobbys gegen bis zu sieben Rivalen messen. Direkte Rad-an-Rad-Duelle gibt es jedoch nicht, vielmehr die Fahrzeuge eurer Konkurrenten als Geisterwagen in Echtzeit dargestellt, um so zu wissen, wie ihr zeitlich im Vergleich steht. Wie ich finde eine gute Lösung um dem Rallye-Charakter treu zu bleiben.
Fazit
Mit WRC 10 ist ein großer Schritt nach vorne. Durch die historischen Rallyes, den aufgemotzen Karriere-Modus und den Lackeditor fühlt sich WRC 10 wirklich nach einer Fortsetzung und nicht nach einem Update an. Weiterhin erfreut ihr euch am tollen, aber auch anspruchsvollen Fahrgefühl, und all das gepaart mit allen offiziellen Lizenzen. Damit ist WRC voll und ganz in der neuen Konsolengeneration angekommen – echt stark.
Erhältlich für: Xbox, PS, PC
Website: wrcthegame.com/de-DE