Meine Reise in das Universum von Xenoblade Chronicles begann mit Teil 2 auf der Switch. Anfangs skeptisch war ich nach den ersten Kämpfen und der Vielfalt an Möglichkeiten schnell begeistert. Daher habe ich mich auch lange auf Teil 3 gefreut und konnte den Tag des Releases kaum erwarten. Nun geht es also wieder rein in dieses fantastische Universum. Ob es damit den zweiten Teil übertrumpfen kann, erfahrt ihr im Test.
Kein Vorwissen nötig
An alle, die jetzt einen Schritt zurück machen und denken „Ich kenne die anderen Teile nicht. Dann kann ich sicher mit Teil 3 nix anfangen“, sei gesagt: Doch, könnt ihr. Teil 3 setzt nicht voraus, dass ihr die anderen Xenoblade Chronicles gespielt haben müsst. Xenoblade Chronicles 3 spielt weit nach den anderen beiden Episoden. Diesmal tobt erneut ein unerbittlicher Krieg zwischen zwei Völkern. Auf Aeoneos stehen sich die Keves und die Agnus gegenüber – und um diese beiden Fraktionen spinnt das Team von Monolith Soft eine sehr spannende Geschichte.
Lasst mich dazu ganz kurz in die Story eintauchen, ohne zu viel zu verraten. Die Keves und die Agnus kämpfen gegeneinander, weil sie es müssen. Es geht hier nicht um Macht, Liebe oder Reichtum. Es geht ums pure Überleben. Denn die Gottheiten der einzelnen Völker garantieren die Existenz dieses Universums – jedoch nur, wenn sie genügend Seelenenergie haben. Und genau diese bekommen sie, wenn gegnerische Kämpfer:innen ihr Leben lassen.
So verkauft es die Obrigkeit jedenfalls ihrem Volk. In jeder Fraktion ist der Ablauf des Lebens gleich: Man darf sich als Kämpfer:in zehn Jahre auf dem Schlachtfeld beweisen. Stirbt man in dieser Zeit nicht, hat man sich die Erlösung verdient. Diese sieht so aus, dass für die tapferen Held:innen ein Lied gespielt wird, das sie sprichwörtlich in Luft auflöst. Schöne Aussichten sind das, oder?
Tief und packend
Es steckt noch mehr in der Geschichte, aber ich will nicht zu viel spoilern. Jedenfalls habt ihr nun einen groben Rahmen, um was es geht. Genau in dieser Welt kämpft auch Noah, euer Hauptcharakter. Allerdings will er nicht geopfert werden, weil er der Obrigkeit nicht so recht glaubt. Also zettelt er eine kleine Rebellion an und flüchtet. Gemeinsam mit seinen beiden Freund:innen Lanz und Eunie will er das Geheimnis um die Seelenenergie lüften. Auf seinem Weg trifft er auf eine feindliche Truppe aus der anderen Fraktion, die allerdings denselben Plan haben. Nach anfänglicher Skepsis schließen sich die beiden Teams zusammen – euer Abenteuer beginnt nun richtig.
Als Sechserteam erkundet ihr den Planeten und treibt die Story voran. Eine kleine Vorwarnung: Manchmal weiß Xenoblade Chronicles 3 nicht so genau, ob es Rollenspiel oder Film sein möchte. Denn die Zwischensequenzen sind hier und da recht ausufernd. Ihr braucht da schon einen langen Atem, da es manchmal sehr theatralisch zugeht.
Aber das soll nicht heißen, dass die Szenen keinen Spaß machen. Es zieht sich nur ab und an in die Länge. Abbrechen wollt ihr die Szenen ebenfalls nicht, weil euch dann ein großes Stück Story fehlt. Mir persönlich hat das gefallen, aber ich kann mir vorstellen, dass es einigen von euch auf die Nerven geht, wenn man manchmal zehn Minuten vom Spielen abgehalten wird.
Nicht erschlagen lassen
Aber wenden wir uns mal dem spielerischen Inhalt zu – und der platzt aus allen Nähten. Typisch für ein japanisches Rollenspiel wird hier viel gekämpft. Bei Xenoblade Chronicles 3 ist es traditionell eine Mischung aus Echtzeit und rundenbasierten Fights. Lasst mich erklären: Ihr kämpft in Echtzeit und schleicht um den Gegner herum. Eure Attacken brauchen jedoch immer eine Weile, bis sie bereit sind – das kennen wir aus rundenbasierten Kämpfen. Die Mischung spielt sich auch in Teil 3 noch wunderbar. Ihr könnt übrigens jederzeit die Kontrolle über eure Teammitglieder übernehmen bzw. ihnen Befehle geben.
Xenoblade Chronicles 3 wirft euch in halboffene Areale und teilt die Story in Kapitel ein. Ihr könnt aber immer wieder in alte Gebiete reisen und neue Geheimnisse entdecken, sobald ihr stark genug seid. Es ist schon im Grundsatz ein sehr spannendes System. Monolith Soft packt aber noch einiges an Inhalten obendrauf. Sogar nach über 20 Stunden Spielzeit kommen noch neue Mechaniken hinzu. Alles aufzuzählen, würde nicht nur den Rahmen sprengen, sondern auch die Freude etwas dämpfen. Aber lasst mich euch ein Beispiel geben.
Diese Möglichkeiten – überwältigend
Kämpfen könnt ihr mit eurem Charakter und dessen zugehöriger Klasse. Allerdings dürft ihr diese Klasse später auch wechseln. Xenoblade Chronicles 3 bietet insgesamt 23 verschiedene Klassen – es gibt also viel auszuprobieren. Dabei ist auch erlaubt, dass ihr Skills aus unterschiedlichen Klassen in eurem eigenen Stil vermischt. Und das ist nur ein Aspekt. Weiter geht es zu den Gruppenangriffen. Zum einen könnt ihr mit Teammitgliedern gleichzeitig ein Ziel angreifen und mit gutem Timing ziemlich viel Schaden auf einmal austeilen.
Es gibt aber auch zu jedem Charakter eine Art Fusionsgestalt, die in Xenoblade Chronicles 3 Ouroboros genannt werden. Diese Ouroboros müsst ihr euch als Super-Krieger vorstellen, die mich an Transformers erinnern. Und jetzt kommt’s: Jede Form eines Ouroboros hat seinen eigenen Skill-Tree mit etlichen Verzweigungen. Ja, da kann einem das Taktik-Hirn qualmen.
Hinzu kommen noch einige schöne Nebenaufgaben, die euch ebenfalls lange Zeit beschäftigen werden. Wenn ihr es halbwegs eilig habt und manchmal nur vom Hauptweg abkommt, erwarten euch immer noch satte 40 bis 50 Stunden Spielzeit. Wer allerdings die dicken Zonenbosse fällen möchte und deren Geheimnisse lüften will, kann locker nochmal 15 Stunden draufpacken. Und wird zu jeder Zeit bestens unterhalten.
Grafisch macht Xenoblade Chronicles 3 ebenfalls einen richtig guten Eindruck. Man merkt der Switch zwar an, dass sie an ihre technischen Grenzen kommt, aber die meisten Umgebungen sehen immer noch atemberaubend aus. Das Design dieses Planeten ist ein Genuss. Oft blieb ich einfach stehen, um die Welt zu bestaunen. Übrigens habe ich den Großteil des Abenteuers im Handheld-Modus absolviert. Auf dem Fernseher im Wohnzimmer sieht das auch schick aus, geht nur manchmal von der Framerate etwas in die Knie. Das nur so am Rande.
Fazit
Ich ziehe mal einen Endstrich unter den Bericht. Ich könnte noch stundenlang hier weiterschreiben und würde dennoch zum selben Ergebnis kommen. Xenoblade Chronicles 3 ist ein Must-Have für Fans von Rollenspielen. Auch wenn der Anfang etwas zäh sein kann, entfaltet sich das Spiel sehr bald zu einer Perle an Möglichkeiten – manchmal vielleicht zu viele Möglichkeiten.
Aber lasst euch davon nicht abhalten. Taucht in dieses Universum ein und lasst euch verschlingen von der packenden Rebellengeschichte, den tollen Charakteren und dem vielfältigen Kampfsystem. Ich kann nur sagen: Chapeau, Monolith Soft. Ihr habt erneut etwas Fantastisches erschaffen. Für mich ist Xenoblade Chronicles 3 jetzt schon ein Highlight des Jahres.
Erhältlich für: Switch
Website: nintendo.de/Spiele/Nintendo-Switch-Spiele/Xenoblade-Chronicles-3-2168340.html