Um eins klarzustellen: Ich mag meine Rogue-like-Games! Immer wieder durch neue, prozedural generierte Levels zu streifen und beim virtuellen Ableben von vorne zu beginnen, kann recht motivierend sein. Besonders, wenn man durch die gesammelte Erfahrung stärker geworden ist und so der nächste Run wahrscheinlich besser wird. Daher habe ich auch „Xenon Valkyrie+“ bereits vor dem Spielstart ins Herz geschlossen: Nicht nur, dass es sich hierbei um ein Rogue-like-Spielchen handelt, sondern auch weil ich 2D-Sidescroller liebe, die zudem auf Retro-Look setzen.
Das muss ich noch verdauen
Beim ersten Durchlauf war ich aber dennoch etwas schockiert: Die pixeligen Männchen sind wirklich sehr sehr detailarm gehalten – wer oder was genau die drei Helden sind, aus denen ich aussuchen darf, weiß ich bis heute noch nicht. Zudem mischt sich der Hintergrund mit Vorliebe so ins Geschehen ein, dass ich keine Chance habe zwischen Vordergrund und eigentlich zierendem Hintergrund zu unterscheiden: Keine Ahnung, wie oft ich deshalb ins Leere gesprungen bin oder gegen eine Wand lief, die ich für einen Hintergrund hielt. Doch am nervigsten empfand ich die musikalische Untermalung, die mich schier in den Wahnsinn trieb. Daher: Lautlos stellen und Mucke anmachen, die euch gefällt. Danach kann der Spaß endlich losgehen. Denn sein Herz hat dieser Titel am rechten Fleck: Nach jeweils zwei Levels, die euch fast wie in „Steamworld Dig“ von oben nach unten führen, wartet jeweils ein Boss-Fight, der euch fordern wird. Danach beginnt das Gleiche in grün – nur mit wesentlich stärkeren Gegnern. Damit ihr nach eurem Ableben nicht völlig ohne Fortschritt dasteht, könnt ihr nach jedem besiegten Boss – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – einen Speicher- beziehungsweise Teleportpunkt freischalten. Um aber wirklich mächtig zu werden, empfehle ich euch allerdings immer wieder den Einstieg von Anfang an. Warum? Ganz einfach: Die Teleportsteine verpassen euch immer einen festgesetzten Charakter-Level, der allerdings immer unter dem Level liegt, den ihr an dieser Stelle normalerweise haben könntet. Das macht den Trip in die höheren Abschnitte doch wesentlich knackiger als ein kompletter Neustart.
Schnell, gnadenlos, aber fair
Spielerisch wirkt „Xenon Valkyrie+“ wie das ADHS-Kind unter den Rogue-like-Titeln: Die Hauptfigur flitzt schnell über den Bildschirm, es wird geballert, was das Zeug hält, und der gnadenlose Einsatz von bunten Farbkombinationen gibt eurem Gehirn den Rest – absolut nichts für Epileptiker! Grundsätzlich unterscheiden sich die drei Helden lediglich von ihren Standardwerten, die in Gesundheit, Munition, Stärke und Verteidigung eingeteilt sind. Einziges alleinstellungsmerkmal eines jeden Helden ist seine Sonderfähigkeit: Während einer mit seinem Radar Feinde und Schätze auf der Minimap ausmacht, springt der andere auf Wunsch dreifach so hoch wie normal. Doch die coolste Fähigkeit hat die rosahaarige Titelheldin: Mit ihrem Dynamit bahnt sie sich den Weg durch Wände, die ein Voranschreiten bei den anderen Charakteren verhindert hätte. Meine erste Wahl. Habt ihr dann einen Abschnitt erfolgreich gemeistert, dürft ihr eure gewonnenen Talentpunkte für jeden Levelanstieg auf eure Fähigkeiten verteilen, um besser für den kommenden Abschnitt gerüstet zu sein. Als Hauptwaffe dient immer ein Schwert, mit dem ihr verdammt nahe an die Gegner heranmüsst. Die Fernwaffe sorgt da für den nötigen Abstand zu euren Gegnern, ist jedoch – je nach Wahl des Charakters – nicht so stark wie euer Schwert. Neue Waffen gibt es in jedem Level in einer Truhe, für die ihr allerdings einen Schlüssel benötigt. Den gibt es bei besonders dicken Feinden, die sich normalerweise ebenfalls in jedem Level befinden. Das zufällig zusammengewürfelte Layout einer jeden Mission macht es jedoch manchmal unmöglich an die Truhe oder den dicken Mini-Boss heranzukommen. Durchatmen hilft bei solchen Situationen meistens. Von der Story will ich jetzt gar nicht erst anfangen – habe sowieso nur halb verstanden, um was es geht: Eine böse Hexe, die alles vernichten will. Nun ja: Eben ein guter Grund, um alles aus dem Weg zu metzeln oder ballern. Das Wesentliche ist aber an dieser Stelle damit gesagt. Kleine Dialoge zwischen den einzelnen Levels „vertiefen“ die Geschichte dann noch ein wenig – wer’s braucht, kann’s haben.
Fazit
Insgesamt macht das kurzweilige Ballerfest ordentlich Laune, wenn ihr euch an die Grafik und an den Sound – nein, vergesst das mit dem Sound und schaltet auf lautlos – gewöhnt habt. Hier geht es schnell, bunt und vor allem sehr pixelig zur Sache. Einzig der Hintergrund fühlte sich während der etlichen Durchgänge, die ich hinter mir habe, immer wieder störend an. Irgendwo blieb die Optik zwischen dem Sprung vom NES auf das SNES hängen. Aber bei so einem sehr kleinen Entwicklerteam kann ich da ein Auge zudrücken. Der Rest unterhält mich jedenfalls für eine ganze Weile. Schaut euch vorher unbedingt ein Video dazu an, um zu sehen, auf was ihr euch einlasst. Dann erwartet euch keine böse Überraschung.
Erhältlich für: PS Vita, PS 4, Xbox One, PC
Website: cowcatgames.com