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Xuan Yuan Sword: The Gate of Firmament

Ein J-RPG aus China? Ja, das geht!

So sehr ich meine J-RPGs (Japanische Rollenspiele, damit ist aber eher das Genre gemeint und nicht unbedingt der Ursprungsort) mag, so sehr habe ich auch meist Probleme mit deren Story. Ich glaube nicht, dass ich viele J-RPGs aufzählen könnte, in denen ich komplett verstanden habe, um was es eigentlich geht. Da macht „Xuan Yuan Sword“ keine Ausnahme. Bereits das Intro schneidet mir unsanft den roten Faden durch – es geht um Mythen, Magie und die Geschichte Chinas. Sieht alles gut aus, ist aber für einen Europäer doch sehr schwer zu begreifen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich den 25 Jahre alten Vorgänger nie gespielt habe. Sei’s drum: Später im Spielverlauf entwickle ich dann doch so etwas wie eine leichte Ahnung, was hier vor sich geht.

Könnt ihr euch die Namen merken?

Die Handlung setzt 1341 vor Christi Geburt an und spielt im alten China. Auch wenn die Grafik nicht gerade am Puls der Zeit wandelt, so empfand ich das Setting als recht erfrischend, da ich mich diese Zeitepoche persönlich ziemlich interessiert. Natürlich ist hier nicht alles akkurat oder detailgetreu nachgebaut, die abwechslungsreichen Umgebungen verströmen aber zumindest einen gewissen Charme. Mittendrin in der Story ist unser langhaariger Hauptheld namens Sikong Yu, der seines Zeichens ein guter Fallensteller ist. Damit hält er sein Heimatdorf von bösen Eindringlingen fern. Eines Tages endet sein gemütliches Leben durch das Auftauchen einer mysteriösen Frau: Muyue redet nicht viel, behauptet aber, dass sie von einem legendären Königreich sei und sich die Menschheit in Gefahr befinde. Angreifende Monster in der Gegend belegen zumindest eine Veränderung der Gesamtlage im Königreich. Das genügt Sikong Yu, um sich mit Muyue auf den Weg zu machen. Unterwegs wächst ihre Truppe noch etwas an, nachdem sie Bekanntschaft mit dem Reisenden Feng Yu und der Priesterin Zi Qiao machen. Zu viert geht es gegen das Böse – allerdings wäre da noch jemand: Sikong Yu entdeckt in seinem Feld nämlich noch ein kleines, merkwürdiges Ferkel (ja, ich meine hier wirklich ein junges Schweinchen). Dieses hat eine Urne auf dem Rücken und scheint recht freundlich zu sein. Im späteren Spielverlauf wird sich euer vierbeiniger Gefährte als äußerst wertvoll entpuppen.

Der Beginn dieser etwa 60 Stunden langen Odyssee gestaltet sich doch als ziemlich zäh, da ich in meinem Heimatdorf von Person zu Person sprinten muss, um mir deren Geschichte anzuhören. Sowieso: Meines Erachtens gibt es hier viel zu viele unnötige Zwischensequenzen, in denen unwichtiges Zeug besprochen wird. Manchmal sind die Gespräche allerdings wichtig für die Handlung, was man vorher aber nie weiß: Und so zieht sich das Ganze dann am Ende doch oft unerträglich dahin. Besonders ärgerlich wird es, wenn eine zehn Minuten lange (!!) Sequenz letztlich keinerlei interessante Info bereithält. Aber vielleicht stehen Chinesen ja da drauf – ich weiß es nicht. Mir ging es mächtig auf die Nerven. Das lag aber noch an einer anderen Tatsache: Die Dialoge sind grundsätzlich auf Chinesisch mit englischem Untertitel. Doch egal, wo ich später in der Welt auf andere NPCs treffe, habe ich das Gefühl, dass diese Leute (und Wesen) ihr Englisch nicht ganz im Griff haben: Das Chinesisch hört sich wunderbar an, die Untertitel wirken oftmals einfach nicht richtig. Da finden sich abenteuerliche Satzkonstruktionen, die wenig Sinn ergeben oder dicke Schreibfehler, was zum Glück nicht so häufig vorkommt. Schwamm drüber.

Schlagen mit ordentlich Tiefe

Überrascht war ich vom Kampfsystem: Die ersten Kämpfe gegen Feen oder andere wunderliche Wesen verliefen noch etwas ungelenk. Beim Aufeinandertreffen mit einem Feind verschlägt euch das Spielchen in einen Kampfbildschirm. Dort tretet ihr in Echtzeit gegen eure Feinde an. Fähigkeiten, die ihr nutzt, haben allerdings immer einen kleinen Cooldown, was die Kämpfe wie eine Mischung aus Echtzeit und Rundenbasiert wirken lässt. Nach einer Weile spielt sich das Ganze aber ganz flott und verbirgt sogar eine Tiefe, die ich anfangs dort nie vermutet hätte. Denn sobald eure Truppe auf vier Mitglieder herangewachsen ist, habt ihr ein paar taktische Möglichkeiten, wie ihr euch formiert. Das gibt dann bestimmte Boni, die sich sichtlich auf das Kampfgeschehen auswirken. Noch später im Spielverlauf dürft ihr Monster für eure Zwecke einsetzen, was abermals für ein erfrischendes Kampfgefühl sorgt. Die Monster bekommt ihr übrigens im Kampf – ihr müsst sie fangen.

Wie das geht? Nun kommt unser kleiner schweinischer Freund ins Spiel: Mit der Urne auf dem Rücken kann das Ferkel Dämonen einsaugen – die Ghostbusters wären stolz auf ihn. Die Monster selbst dürft ihr dann dazu nutzen, um Artefakte aufzubessern oder sie im Kampf einzusetzen. Habt ihre mehre Monster gefangen, könnt ihr diese auch fusionieren, um noch stärkere Kollegen zu bekommen. Das weckt nicht nur den Entdeckergeist, sondern bringt euch auch im Kampf voran. Neben den Kämpfen warten hier und da ein paar Rätseleinlagen. Diese sind meist nie sonderlich schwer zu lösen, geben dem Spielablauf aber etwas Gemütliches, das ich so nicht aus anderen Genre-Vertretern kenne. Nur bei den Nebenquests war ich manchmal überfordert. Diese sind nämlich nur zu einer bestimmten Zeit in der Story möglich und beschränken sich auf einen bestimmten Charakter eures Teams. Seid ihr zu weit in der Story, dann könnt ihr die Nebenmission nicht mehr lösen. Allerdings sagt euch keine Einblendung, wann eine solche Mission verfügbar ist: Nur wer immer wieder auf das Missionslogbuch schaut, wird fündig. Das kann schon nerven.

Fazit

Fassen wir zusammen: Die Story ist wohl nur etwas für eingefleischte J-RPG-Fans. Aber auch Neulinge wie ich können etwas mit der Geschichte anfangen, wenn etwas Zeit ins Land gegangen ist. Bei den Zwischensequenzen hätten sich die Entwickler der DOMO Studios und Publisher SoftStar allerdings wesentlich kürzer halten können. Dafür überzeugt mich das Kampfsystem, das ich anfangs völlig unterschätzt habe. Die Kämpfe werden immer dynamischer und warten mit jeder Menge taktischer Möglichkeiten auf. Die Jagd nach Monstern verleiht dem Ganzen einen Hauch von Pokemon und verleitet mich zu wilden Experimenten in der Paarung jener Viecher – großartig. Grafisch macht das Spiel einen soliden, wenn auch nicht sonderlich aktuellen Eindruck. Die Abwechslung der verschiedenen Umgebungen lässt dies aber leicht verkraften. Wenn ihr auf der Suche nach einem etwas anderen J-RPG seid, in dem es gemütlicher zugeht als bei anderen Genre-Vertretern, dann schaut euch diesen Titel unbedingt mal an – und schreibt mir, wenn ihr die Story komplett verstanden habt. 

Erhältlich für: Xbox One, PC