Unterhaltung Games

Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties

Wenn Kiryu glänzt – und Mine endlich seine eigene Bühne bekommt.

Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties ist RGG Studios nächster großer Versuch, die älteren Like-a-Dragon-Teile in die Gegenwart zu holen. Ihr bekommt hier ein von Grund auf neu gebautes Remake von Yakuza 3 inklusive neuer Inhalte – plus ein komplett eigenständiges Spin-off namens Dark Ties, in dem ihr erstmals ausführlich Yoshitaka Mine spielt, einen der beliebtesten, aber im Original untererzählten Antagonisten.

Das Paket ist nicht ganz perfekt, aber gerade, wenn ihr die Serie mögt oder damals bei Yakuza 3 an dessen staubigem Kampfsystem hängen geblieben seid, ist das hier ein ziemlich spannender Doppelschlag.

Kiwami 3: Ein problematischer Klassiker wird endlich spielenswert

Im Kern erzählt Kiwami 3 immer noch die gleiche Geschichte wie das PS3-Original: Kiryu hat sich nach den Ereignissen von Yakuza 2 nach Okinawa zurückgezogen, betreibt das Waisenhaus Morning Glory und versucht, seinen Ziehkindern ein halbwegs normales Leben zu schenken – bis ein Immobilien- und Politik-Skandal ihn wieder nach Kamurocho zieht und ihn zwischen Yakuza-Fraktionen, korrupter Regierung und alter Rechnungen zerrt.

Die große Stärke war damals wie heute der Mix aus herzzerreißenden Momenten im Heim, herrlich absurden Nebenstorys in Okinawa und Kamurocho und der langsamen Eskalation in Richtung Hochglanz-Soap mit überdrehten Bosskämpfen und legendären Hemd-Auszieh-Szenen. Viele von euch kennen das Problem: Yakuza 3 war storyseitig stark, aber spielerisch zäh – langsames Kampfsystem, träges Movement, wenig Wucht in den Fights. Genau da setzt Kiwami 3 an.

So geht modernes Fighting

Das Remake nimmt sich das moderne Like-a-Dragon-Grundgerüst zur Brust: Kämpfe sind deutlich schneller, Treffer haben mehr Impact, Heat- bzw. Extreme-Heat-Aktionen gehen flüssiger von der Hand und Kiryu fühlt sich insgesamt so an, wie ihr ihn aus Kiwami 2 oder 6 gewohnt seid. Und das ist großartig!

Hinzu kommen zusätzliche Zwischensequenzen, überarbeitete und neue Substories (u.a. eine komplett neue, ziemlich wilde Questline mit einer Mädelsgang in Okinawa, die exemplarisch zeigt, wie herrlich drüber diese Reihe sein kann) und massig Side-Content – von Coliseum-Varianten über Baddies Battles bis hin zu einem neuen Gangkriegssystem, bei dem ihr auf Motorrädern gegen feindliche Gangs in strategisch angehauchten Gefechten antretet.

Nicht alles glänzt

Trotzdem bleiben einige Altlasten spürbar. Der Einstieg ist immer noch langsam und Cutscene-lastig; die Pacing-Probleme des Originals werden durch bessere Fights zwar abgefedert, aber nicht komplett behoben. Außerdem mussten – wie schon bei früheren Remasters – einige Substories weichen oder wurden umgebaut; das fällt Kennern auf, die das Original wirklich auswendig kennen.

Insgesamt macht Kiwami 3 aus einem sperrigen Klassiker endlich ein Spiel, das sich 2026 angenehm wegspielen lässt, ohne seine Identität zu verlieren – aber das Grundgerüst bleibt erkennbar ein 2009er Yakuza.

Dark Ties: Mine im Rampenlicht

Der zweite Teil des Pakets ist das, was Kiwami 3 & Dark Ties wirklich besonders macht: Dark Ties ist ein eigenständiges Spiel, das sich komplett auf Yoshitaka Mine konzentriert. Ihr erlebt seine Vorgeschichte und seinen Weg von einem erfolgsverwöhnten Start-up-Unternehmer, der alles verliert, hin zu dem eiskalten, kalkulierenden Yakuza, der in Yakuza 3 schließlich als Kiryus Gegenspieler auftaucht.

Ton und Perspektive verschieben sich damit deutlich. Während Kiryu und später Ichiban immer versucht haben, aus der Yakuza-Welt rauszukommen, folgt ihr hier bewusst jemandem, der aus freien Stücken in sie hineinspringt – aus Leere, Wut und dem Bedürfnis, irgendwo „echte“ Bindungen zu finden. Das ist ein sehr spannender Blickwinkel, den die Serie so vorher nicht hatte.

Kurz, hart und lohnend

Spielerisch ist Dark Ties komprimierter und fokussierter als Kiwami 3. Die Kampagne ist in drei Kapitel gegliedert und wird euch rund 3 bis 5 Stunden beschäftigen, wenn ihr euch auf die Kernstory konzentriert. Ihr kämpft diesmal nicht mit Kiryu-typischen Styles, sondern mit einem Box-basierten Kampfsystem, das Mine sehr eigene Moves, Strafen und Spezialangriffe verpasst – im Grunde eine Variation der Dragon-Style-Idee, aber mit klarer Identität. Das fühlt sich frisch an und gibt der Reihe eine andere Art von physischer Präsenz.

Hinzu kommen Minigames und klassische Beschäftigungen im Serienstil – nur eben in kleinerem Rahmen. Je nachdem, wie sehr ihr euch darauf einlasst, kann Dark Ties dann doch mehr Umfang entfalten, als die reinen Storystunden vermuten lassen.

Kurz zusammengefasst: Dark Ties ist kein vollwertiges Standalone-Yakuza, sondern eher eine hochwertige, in sich stimmige Erweiterung, die Kiwami 3 emotional und thematisch spürbar aufwertet – gerade, wenn ihr Mine schon immer spannend fandet, aber das Gefühl hattet, dass der Originalteil ihm nicht genug Raum gegeben hat.

Fazit: Starkes Paket mit kleinen Schrammen – vor allem für Fans

Yakuza Kiwami 3 & Dark Ties ist am Ende genau das, was der Name verspricht: eine neu geborene Version von Yakuza 3 plus eine neue Mine-Geschichte, die zusammen ein ziemlich rundes Gesamtbild ergeben. Kiwami 3 macht den ehemals sperrigsten Mainline-Teil der Reihe endlich gut spielbar, ohne seine emotionalen Kernmomente zu opfern; Dark Ties holt einen großartigen Antagonisten aus der zweiten Reihe und gönnt ihm seinen eigenen, kompakten Auftritt.

Wenn ihr in der Reihe steckt, Kiryu mögt und Yakuza 3 bisher eher als den anstrengenden Teil mit dem zähen Kampfsystem im Kopf hattet, ist das hier fast ein Pflichtkauf – allein, um Morning Glory, Okinawa und Mines Arc endlich mit zeitgemäßem Gameplay zu erleben.

Erhältlich für: Xbox, PS, PC, Switch 
Webseite: sega.com/de/like-a-dragon-yakuza/yakuza-kiwami-3-dark-ties