Was haben ein Flipperautomat, ein Postamt, „Super Metroid“ und ein kleiner Käfer miteinander zu tun? Nicht sonderlich viel, doch bei „Yoku’s Island Express“ vermischen sich diese Zutaten zu einem erstaunlich unterhaltsamen Titel, bei dessen Spielmechanik ich zunächst sehr skeptisch war, ob das funktionieren kann.
Der Erstkontakt
Rückblende: Auf der Gamescom 2017 hatten mein Kollege und ich einen Termin bei Team17, um deren neustes Werk auszuprobieren. Entwickler Villa Gorilla hatte da ein interessantes Spiel in der Pipeline: Allerdings hatte ich bis dahin zwar bereits von „Yoku’s Island Express“ gehört, aber keine richtige Vorstellung, wie sich das Ganze spielt.
Es handelt sich im Grunde um ein klassisches 2D-Jump&Run in zuckersüßer Optik – mit einem wichtigen Detail, das es so einzigartig macht: Bei „Yoku’s Island Express“ wird nicht „gehüpft“. Das wollte ich mir genauer ansehen. Ein Jump&Run ohne die Möglichkeit zu springen? Klingt merkwürdig. Also ran ans Spiel. In einer Demo übernehme ich die Kontrolle über einen kleinen putzigen Mistkäfer namens Yoku. Na das gefällt mir schon mal.
Irgendwie ist das Kerlchen auf einer traumhaften Insel angeschwemmt worden, um dort den Job des Postboten zu übernehmen: In dem getesteten Abschnitt soll ich mein eigenes Postamt finden. Munter krabbelt der Mistkäfer durch die Gegend, immer durch ein Seil eng verbunden mit einer dicken Kugel, die das Kerlchen vor sich herschiebt. Springen wird dadurch äußerst schwierig. Zum Glück befinden sich auf der Insel aber jede Menge „Flipper“, die in den Boden eingelassen wurden.
Und genau das ist der eigentliche Clou an der Sache: Mit dem rechten und linken Trigger des Controllers kann ich den Mistkäfer samt Kugel damit durch die Gegend schießen. Die 30 Minuten, in denen ich das Spiel testen darf, vergehen wie im Flug – einfach genial.
Von der Begeisterung erfasst
Wieder im Hier und Jetzt: Diese eine Anspielsession hat mich richtig neugierig auf das fertige Produkt gemacht. Endlich darf ich selbst nach Lust und Laune die Insel Mokumana erkunden, auf der unser Mistkäfer gelandet ist. Das Art-Design hat mich bereits nach den ersten Minuten völlig im Griff: Die farbenfrohe Präsentation einer gigantischen Insel voller merkwürdiger Figuren ist eine Wucht und verströmt dank der netten Hintergrundmelodie eine durch und durch „Feel Good“-Atmosphäre.
Zunächst kann der Postboten-Käfer noch nicht sonderlich viel, außer sich mithilfe der überall befindlichen Flipper-Ärmchen durch die Gegend schießen zu lassen. Allein das macht aber schon jede Menge Spaß. Dass ein Plattformer und ein Flipper-Spiel so gut zueinander passen hätte ich nie für möglich gehalten, aber es funktioniert tadellos.
Schnell habe ich Yoku vom Erdboden bis in die höchsten Baumkronen gejagt, um dort einen giftigen Pilz zu finden: Diesen möchte nämlich ein gieriger Aal haben, der mich sonst nicht vorbeilässt. Solche kleine Aufgaben definieren den Alltag des neuen Briefträgers – und sind höchst unterhaltsam inszeniert. Langweilig wird es auf der Insel nie.
Ein Hin und Her mit Spaßfaktor
Von der Spielmechanik her orientiert sich „Yoku’s Island Express“ an Klassikern wie „Super Metroid“ oder anderen dieser Metroidvania-Titel. Soll heißen: Über die Zeit erlangt Yoku immer weitere Fähigkeiten, die ihn an Orte bringen, die zuvor unerreichbar für ihn waren. Die Insel wird dadurch größer und größer – es gibt verdammt viel zu entdecken.
An manchen Stellen warten auch mal versperrte Flipperarme auf euch. Um diese freizuschalten, müsst ihr mit der Währung von Mokumana bezahlen: Hier dreht sich alles um Früchte. Ein Glück, dass Yoku von dem leckeren Obst jede Menge unterwegs findet. Im späteren Verlauf könnt ihr mit den Früchten sogar hilfreiche Items kaufen, die euch versteckte Schätze oder Weidlinge auf der Karte anzeigen. Die Weidlinge braucht ihr, um einen schlafenden Gott zu erwecken: Insgesamt 80 dieser winzigen Samen wurden über die komplette Insel verstreut.
Die Suche nach ihnen wird schon mal zur kniffligen Herausforderung, wie ihr schnell feststellen werden. Aber für den Abschluss der charmanten Story ist es dies keine Voraussetzung – also keine Sorge, wenn ihr es eilig habt. Mindestens sechs Stunden solltet ihr aber dennoch einrechnen, um einmal durch das Abenteuer zu kommen.
Fazit
Villa Gorilla und Team17 haben es geschafft, mich komplett zu begeistern: „Yoku’s Island Express“ ist solch ein innovativer Plattformer, dass ich aus dem Staunen kaum noch herauskomme. Für mich stellt sich nicht mehr die Frage, wie Jump&Run und Flipper-Automat zusammenpassen, sondern wie es ohne diese Kombi bisher überhaupt funktionierte.
Sei es nun die farbenfrohe Optik, der nette Humor in den Konversationen, die Spielmechanik, die versteckten Geheimnisse oder der Hauptakteur – hier grefit jedes Zahnrad ineinander. „Yoku’s Island Express“ zeigt auf hübsche Art und Weise, dass es nicht immer ein Triple-A-Titel sein muss, um auf höchsten Niveau zu unterhalten. Für mich ist dieser kleine Mistkäfer einer der Geheimtipps des Jahres.
Erhältlich für: Xbox One, PS4, PC, Switch
Website: team17.com/games/yokus-island-express