Unterhaltung Games

Young Souls

Märchenhafter Prügelspaß: Diese zwei Kids sind eine wahre Freude für das Genre.

Kennt ihr das: Ihr seht Screenshots oder einen ersten Trailer zu einem neuen Spiel und stellt euch dann vor, wie es sich anfühlen wird, wenn ihr es zum ersten Mal spielt. Sehr oft wird die Realität dabei eurer Vorstellung nicht gerecht. Wie oft habe ich schon erlebt, dass mir das Design eines Spiels zugesagt hat, aber das Gameplay dann ziemlich verkorkst war.

Nun also habe ich das neuste Werk von Entwickler 1P2PStudios und Publisher The Arcade Crew gesehen: Young Souls trifft genau meinen Geschmack in Sachen Optik. Zudem hört sich das Spielprinzip auch gut an: Ein Dungeon-Brawler mit viel Loot. Dann kam der Moment, an dem ich zum ersten Mal selbst spielen durfte …

Vorstellung vs. Realität = passt!

Es passiert sehr selten, aber es kommt vor: Young Souls fühlte sich auf Anhieb so an, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich war sehr begeistert beim ersten Kampf gegen ein meterhohes Ungetüm. Die Steuerung ist locker-fluffig, die Attacken schön animiert und flüssig. Damit reiht sich Young Souls in Sachen erste Spielbarkeit direkt in eine traditionsreiche Reihe wie Streets of Rage 4 bis zurück zu den Turtles in Time. Meine Neugier auf die weiteren Inhalte ist damit deutlich gestiegen – und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Die Story von Young Souls dreht sich um ein Geschwisterpaar: Tristan und Jenn sind zwei Waisenkinder, die von einem Professor liebevoll aufgenommen wurden. Doch die Jugendlichen schwimmen nicht mit dem Strom. In dem verschlafenen Nest, in dem sie aufwachsen, gelten sie als Außenseiter – was sie auch gerne sind. Statt Schule treiben sie sich lieber im riesigen Haus des Professors herum oder erledigen kleine Botengänge für den älteren Herrn. All das ändert sich als eines Nachts ein mächtiger Krach aus der Werkstatt des Professors ertönt: Dieser wurde in eine andere Welt entführt – von Wesen, die unterhalb unserer Zivilisation tief in der Erde leben. Das Abenteuer beginnt.

Storygetriebener Ansatz

Young Souls setzt auf eine dichte Geschichte, die hier erzählt wird. Immer wieder dürft ihr euch durch Dialoge klicken, die die Story vorantreiben. Da die Dialoge gut gemacht und die Story recht interessant ist, hab ich mir das durchaus gefallen lassen. Ungewöhnlich für ein Beat’m Up dieser Art, aber ziemlich atmosphärisch. Schnell lernt ihr einen freundlichen Bewohner dieser neuen Welt kennen und rettet ihn auch gleich. Er hilft euch dabei den Professor zu retten. Möglich macht dies eine sogenannte Reise-Rune. Mit dieser könnt ihr euch an bestimmte Orte des Spiels teleportieren – also eine Art Schnellreise.

Um neue Schnellreisepunkte zu finden, müsst ihr in der Unterwelt immer neue Tore finden. Dadurch arbeitet ihr euch Stück für Stück tiefer in die Festung unter der Erde. Dank der Reise-Rune könnt ihr euch bequem von einem Tor zum anderen Warpen. Denn der Verlauf ist nicht streng linear und es gibt eine Menge Abzweigungen. Daher müsst ihr öfters mal neue Wege einschlagen, wobei die Rune durchaus hilfreich ist.

Die Unterwelt ist in unterschiedliche Abschnitte unterteilt, die immer mit dem Öffnen einer Tür beginnen. Oft erwarten euch in diesen unterschiedlichen Räumen eine Handvoll Gegner, die ihr plätten müsst. Dazu greift ihr auf Schwerter und Schilde zurück. Blocken, schlagen, ausweichen und später sogar einige Fernangriffe – das Gameplay ist auf den Punkt und geht locker von der Hand. Als Solo-Spieler steuert ihr immer nur einen der Geschwister und wechselt auf Knopfdruck zwischen den beiden. Allerdings sind dabei nie beide Geschwister gleichzeitig auf dem Bildschirm. Nur wenn ihr im Koop-Modus spielt, dürft ihr gleichzeitig die Gegner vermöbeln.

Stil und Style verbunden

Für mehr Abwechslung sorgen immer wieder neue Ausrüstungsgegenstände, die ihr findet. Allerdings müsst ihr entscheiden, welcher der beiden Charaktere sie tragen darf. Denn die Rüstung hat nicht nur einen entscheidenden Einfluss auf eure Attacken und Verteidigung, sondern auch auf eure Beweglichkeit. Daher habe ich immer die dicken Rüstungen an Tristan vergeben, während Jenn die flinke Killerin mit Bogen wurde. Das brachte immer viel Abwechslung in die Kämpfe.

Zusätzlich sammeln Jenn und Tristan auf ihrer Reise Erfahrungspunkte, mit denen sie im Level steigen. Dadurch verbessern sich die drei Hauptattribute Stärke, Widerstand und Ausdauer. Stärke braucht ihr zum Zuschlagen, Widerstand ist eure Lebensenergie, während Ausdauer bestimmt, wie oft ihr ausweichen oder fest zuschlagen könnt. Um gezielt die unterschiedlichen Werte zu steigern, bekommt ihr hin und wieder Karten fürs Fitnessstudio. Dort dürft ihr dann einmalig pro Karte einen Wert steigern – allerdings müsst ihr dafür auch was tun. In kleinen Mini-Spielchen ergattert ihr bis zu fünf Sterne. Je nachdem wie ihr abgeschnitten habt, erhöhen sich eure Werte in der bestimmten Position. Eine wirklich coole Idee.

Etwas zu atmosphärisch

Kommen wir aber mal zu den Schattenseiten von Young Souls – auch wenn es nicht sonderlich viele gibt. Das Spielprinzip samt der Comic-Optik und das fluffige Gameplay sorgen schon mal für eine gute Unterhaltung. Nur werde ich immer wieder aus dem Flow geworfen, wenn ich aufleveln will, eine neue Rüstung brauche oder mir schicke Sachen in der Stadt kaufen möchte. Warum? Weil ich dafür die Reise-Rune aktivieren muss. Und was ist daran so nervig? Ganz einfach: Die Zwischen-Sequenzen, die dadurch aufgerufen werden.

Bin ich beispielsweise im Dungeon und möchte aufleveln, muss ich dafür ins Schlafzimmer der beiden Teenies. Reise-Route aktiviert, folgt der Übergang zum Anwesen des Professors, dann laufen die Kids die Treppe hoch, legen sich hin, verbrauchen während des Schlafens die Erfahrungspunkte, um aufzusteigen, wachen wieder auf und stehen gähnend in ihrem Zimmer. Das ist beim ersten oder zweiten Mal sehr atmosphärisch. Nur nach einer Weile nervt es gewaltig. Gleiches gilt für das Wechseln zum Goblinmarkt oder in die Innenstadt. Es trägt zwar zur Glaubwürdigkeit dieser Welt bei, aber ich hätte es auch akzeptiert, wenn ich das Aufleveln einfach an einem Bildschirm hätte machen dürfen. Aber das ist auch fast alles, was ich zu bemängeln habe.

Fazit

Ich bin immer wieder überrascht, mit welchen Ideen kleinere Studios um die Ecke kommen. Young Souls ist ein von Grund auf sympathisches Beat'm up mit narrativen Rollenspiel-Elementen – und das steht dem Werk von 1P2P Studio extrem gut. Publisher The Arcade Crew hat hier ein heißes Eisen im Feuer, das mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Ob solo oder als Couch-Koop-Titel – Young Souls macht in beiden Fällen eine gute Figur und unterhält euch für etliche Stunden. Da drücke ich auch ein Auge zu, dass die Laufwege manchmal länger dauern als nötig wären …

Erhältlich für: Xbox, Playstation, Switch, PC
Website: youngsouls-game.com