Retro Pack 2 ist so etwas wie ein liebevoller Griff in die TCG-Vergangenheit von Yu-Gi-Oh! – ein „Best of“ aus alten Boostern, Promo-Karten und längst vergriffenen Fan-Favoriten. Ursprünglich erschien das Set 2009 in extrem begrenzter Auflage und war vor allem dafür bekannt, schwer zu bekommen, aber voll mit ikonischen Karten zu sein.
2025 hat Konami das Ganze als Re-Release neu aufgelegt: gleicher Kartenpool, gleicher Oldschool-Look mit klassischen Kartentexten und Rahmen, aber mit angepassten Pull-Rates für Holo-Karten. Statt komplett neuer Effekte oder Mechaniken bekommt man hier also eine kuratierte Sammlung aus Klassikern, die vor allem Nostalgiker und Retro-Format-Spieler ansprechen.
Sammeltrieb wie früher
Das Set umfasst 101 Karten: 48 Commons, 24 Rares, 10 Super Rares, 8 Ultra Rares und 11 Secret Rares. Der Fokus liegt klar auf Reprints aus legendären Sets wie Pharaoh’s Servant, Labyrinth of Nightmare, Legacy of Darkness und Pharaonic Guardian sowie längst vergriffenen Promos – also Karten, die man früher mühsam als Einzelkarten suchen oder richtig tief in die Tasche greifen musste.
Je nach Region gibt es in den Boxen zudem eine Promo-Variante: in der ursprünglichen Auflage z.B. Green Baboon, Defender of the Forest in Nordamerika oder Gorz the Emissary of Darkness in Europa und Lateinamerika. Auch hier werden sich Sammel-Experten wieder in Foren austauschen und sich gegenseitig Karten zuschieben.
Welche Karten machen Retro Pack 2 spannend?
Spannend wird Retro Pack 2 durch seine Zusammenstellung von „Chase-Karten“ und nützlichen Staples für Retro-Formate. Auf Secret-Rare-Ebene finden sich Schwergewichte wie Blue-Eyes Shining Dragon, Dragon Master Knight, Harpie’s Pet Dragon und Archfiend of Gilfer – allesamt Karten mit Kultstatus, die in Originaldrucken teils sehr schwer zu bekommen waren.
Für Goat-, Edison- und Time-Wizard-Formate sind Reprints wie Jinzo, Injection Fairy Lily, Light and Darkness Dragon, Book of Moon, Reckless Greed, Newdoria oder Gravekeeper’s Spy interessant. Solltet ihr davon gar nichts verstehen, macht das aber auch nichts. Denn die Karten eignen sich natürlich auch für Neulinge zum Einstieg in Yu-Gi-Oh!
Archivierte Freude
Kommen wir noch mal zurück zu den Karten-Typen: Gerade Time-Wizard- und Edison-Spieler freuen sich über die Möglichkeit, Staple-Karten wie Book of Moon, Dust Tornado, Dark Jeroid oder Helpoemer in einheitlichem Retro-Frame zu bekommen, ohne auf ältere, abgenutzte Exemplare angewiesen zu sein.
Dazu kommen ikonische, aber früher schwer erhältliche Promo-Karten wie Light and Darkness Dragon und Blue-Eyes Shining Dragon, die aus Jump-Magazin oder Film-Promos stammten und nun wieder regulär in Boostern auftauchen. Für Sammler bedeutet das: Man kann sich eine ganze Reihe klassischer Motive in einheitlicher, „archivwürdiger“ Optik ins Ordner-Set legen.
Zwischen Nostalgie und Kinderkrankheiten
Mit dem 2025er Re-Release wollte Konami gleich zwei Ziele erreichen: den nostalgischen Look bewahren und die Zugänglichkeit erhöhen. Laut offizieller Ankündigung wurden deshalb die Original-Frames, Namen und Kartentexte beibehalten, sodass die Karten wirken wie echte Zeitzeugen aus der 2000er-Ära.
Gleichzeitig wurde die Foil-Rate gegenüber der 2009er Auflage verdoppelt, sodass es nun deutlich einfacher ist, Super-, Ultra- und Secret-Rares zu ziehen. Für Spieler ist das ein klares Plus: Builds lassen sich günstiger basteln, und wer einfach „shiny Nostalgie“ im Ordner sehen will, kommt schneller auf seine Kosten.
Meckern auf hohem Niveau
Allerdings gibt es kritische Stimmen zur Druckqualität, insbesondere beim Holo-Finish. Ein Spieler, der 27 Boxen geöffnet hat, bezeichnet die QC des Reprints sogar als „mit das Schlechteste in der Yu-Gi-Oh!-Geschichte“: Foil-Bleed über die Ränder, falsch ausgerichtete Secret-Rare-Felder, Sättigungsunterschiede und teils fehlende Eye-of-Anubis-Stempel auf Rückseiten werden als Probleme genannt. Das ist aber lediglich die Ausnahme und konnte so von mir nicht validiert werden. Jedenfalls fiel es mir nicht sonderlich ins Auge.
Manche Secret-Rares fühlen sich demnach eher wie „Platinum Secret“-Varianten an, also anders im Haptik- und Glanzverhalten als klassische Secrets, was Sammler optisch interessant, qualitativ aber zwiespältig sehen.
Für den „normalen“ Spieler, der Karten sleeved in Retro-Formaten nutzt, ist vieles davon verschmerzbar – viele Commons und Rares wirken solide. Sammler mit Blick für Details und PSA-Kandidaten könnten sich jedoch an Inkonstanzen und Misprints stören und eventuell bewusst nach bestimmten Batches suchen. Das mal nur als Info am Rande.
Nostalgiewert versus spielerischer Nutzen
Retro Pack 2 sitzt genau zwischen Sammlerprodukt und Spielerset. Nostalgisch betrachtet, ist es ein Volltreffer: nostalgische Artworks, klassische Layouts, ikonische Namen und die Möglichkeit, Decks aus den frühen bis mittleren 2000ern in einem homogenen Look nachzubauen. Viele Bewertungen beschreiben das Öffnen der Booster als „Zeitreise“, gerade für Spieler, die mit den alten Serien und Kartendesigns aufgewachsen sind. Ich war damals noch nicht in dieser Welt unterwegs, weshalb ich den anderen Stimmen einfach mal vertraue.
Aus spielerischer Sicht muss man differenzieren. Für aktuelle Meta-Decks ist Retro Pack 2 naturgemäß kaum relevant – der Fokus liegt klar auf Retro- und Nostalgieformaten wie Goat, Edison oder Time Wizard. Für diese Zielgruppen ist das Set ein Toolbox-Regal voller nützlicher Commons und Rares, ergänzt durch ein paar starke Chase-Rares wie Light and Darkness Dragon für Edison oder Gorz als ikonische Handtrap der 2010er-Zeit. Wer das Set primär für Retro-Formate kauft, ist deshalb gut beraten, sich genau anzusehen, welche Karten er wirklich braucht – und ob gezielter Einzelkartenkauf nicht effizienter ist.
Fazit: Für wen lohnt sich Retro Pack 2?
Als Erweiterung beziehungsweise Sonder-Set ist Yu-Gi-Oh! Retro Pack 2 weniger ein klassischer „Pflichtkauf“ für Wettbewerbs-Spieler und mehr eine liebevolle Einladung an Nostalgiker, Sammler und Retro-Format-Fans. Positiv hervorzuheben sind die sorgfältige Kartenauswahl mit vielen ikonischen Motiven aus alten Boostern, der bewusste Einsatz des Retro-Frames inklusive alter Text-Layouts sowie die höheren Foil-Raten, die das Jagen glänzender Klassiker spürbar erleichtern.
Auf der Schattenseite stehen die Berichte über schwankende Druckqualität und Holo-Finishs sowie eine Wertverteilung, bei der sehr viel auf den Secret-Rares liegt, während ein Teil der Holos eher als „Nostalgie-Deko“ durchgeht. Wer Retro Pack 2 als das betrachtet, was es sein will – eine Zeitkapsel zum Aufreißen, ein Sammler-Snack und ein Fundus für Retro-Deckbau –, bekommt ein unterhaltsames, wenn auch nicht perfektes Produkt. Wer dagegen ausschließlich nach optimalem Preis-Leistungs-Verhältnis für das aktuelle Meta sucht, fährt mit gezieltem Einzelkartenkauf besser.
Kurz zusammengefasst: Retro Pack 2 ist dann spannend, wenn der Herzschlag beim Anblick von Blue-Eyes Shining Dragon, Dragon Master Knight oder einer frischen Book-of-Moon-Kopie im Oldschool-Rahmen ein bisschen schneller wird. Wenn das der Fall ist, kann die Reise zurück in die 2000er im Boosterformat eine Menge Spaß machen – trotz kleiner Druckdämonen im Hintergrund.
Webseite: yugioh-card.com/eu/product/retro-pack-2