Ein Filmstreifen wird zur Arena: ZOE Begone! von PM-Studios, Inc. und Solo-Entwickler Retchy ist eine echte Indie-Perle in der Bullet-Hell-Flut der letzten Jahre. Hier stehen nicht nur flinke Daumen, sondern auch die Liebe zum Stil im Rampenlicht: Das gesamte Spiel ist im Look der 1930er-Jahre animierter Kurzfilme gehalten – alles wirkt wie direkt auf den Filmstreifen gezeichnet, inklusive Rauschen, verwischter Linien und vibrierender Farben. Eine charmant-chaotische Fusion, die Cartoon-Kenner:innen begeistern kann.
So simpel – und doch nicht
Die Grundidee ist lächerlich sympathisch: Eigentlich will Filmheldin Zoe nur ein Nickerchen machen, wird aber vom irren „Animator“ aus dem Schlaf gerissen – der malt fortlaufend neue Klumpen, Kreaturen und Hindernisse direkt ins Bild. Zoe muss sich mit Dashes, Sprüngen und jeder Menge Feuerkraft ihren Weg zurück zur Seelenruhe erkämpfen.
Im Kern ist ZOE Begone! ein wildes Bullet-Hell-Arcadespiel mit Run-and-Gun-Genen: Ihr brettert als Zoe durch handgezeichnete Arenen, weicht endlosen Salven von Tintentröpfchen, Schwüngen und kreativen Gegnern aus und ballert im Gegenzug alles von der Leinwand, was zum Angriff bläst. Klingt simpel, ist es aber nicht.
Geschickte Finger nötig
Neben klassischem Schießen gibt es einen Energie-basierten Dash und einen mächtigen Ground-Pound – beides braucht gekonntes Timing, denn jeder Treffer kostet wertvolle Lebensenergie. Energie und Lebenspunkte füllt ihr durch das Aufsammeln von Items, die künstlerisch in die Szenerie eingebaut sind.
Das Upgrade-System punktet besonders: Für gesammelte Äpfel kauft ihr neue Waffen, passive Boni, Bomben und zahllose frische Gimmicks, die das Spielgefühl und eure Taktik stetig verändern. Ihr entscheidet strategisch: Sofort ausgeben und kleine Vorteile sichern oder sparen und „das große Kino“ freischalten? Dadurch gibt’s fast endlose Run-Möglichkeiten und kreative Highscore-Jagden.
Für jeden was dabei
Drei Spielmodi (Arcade, Time Attack, Frame Trap/Boss Rush) und diverse Schwierigkeitsgrade sowie die allgegenwärtigen Online-Highscore-Tabellen sorgen für Langzeitmotivation, Speedrunner-Futter und Couch-Duelle gegen Freunde – egal ob kurz zum Kaffee oder stundenlang am Abend. Wobei hier alles schon verdammt bunt ist. Nichts für Epileptiker!
Jazzpiano und visuelles Kuriositätenkabinett
Wirklich herausragend ist das audiovisuelle Design: Die Welt wackelt, poppt, rauscht, zwinkert – und blitzt vor kleinen, surrealen Gags. Mal schwingt ein gigantischer Pinsel ins Bild, Gegner werden augenzwinkernd „hereingezeichnet“, alles lebt von augenzwinkerndem Charme. Die Musik groovt im ständigen Wechsel mit dem Gameplay: Jazzpiano, Retro-Schwung und auf die Action dynamisch reagierende Effekte machen das Spiel zur musikalischen Cartoonrevue.
Charmante Soundeffekte („Pew!“, „Blopp!“) und kurze, krude Animationen bauen einerseits Spannung auf, andererseits laden sie zum Schmunzeln ein. Zoe bleibt als „grüne Dreieckskumpelin“ im Kopf; die Welt fühlt sich stets nach einer Mischung aus Künstleratelier und Flipperhalle an.
Übersicht und kleine Macken
Trotz der Zugänglichkeit und dem niedrigen Einstieg kann ZOE Begone! im späteren Verlauf bretthart werden: Gerade in höheren Schwierigkeitsgraden und im Boss Rush fordern die Bildschirmfinessen flinke Reflexe und Frustresistenz.
Manche Kollisionsabfragen sind dabei nicht immer ganz sauber, vereinzelt verliert man bei all dem Chaos schnell die Übersicht. Auch wünscht man sich auf Dauer etwas mehr Abwechslung bei den Arenenlayouts oder spezielle Missionsziele.
Fazit: Nostalgie trifft Bullet-Hell
ZOE Begone! ist ein außergewöhnlich charmantes Bullet-Hell-Run-and-Gun: Handgezeichnet, musikalisch herrlich vertont und voll mit frechem Cartoon-Geist. Wer einen fair fordernden, aber niemals bierernsten Arcade-Trip sucht und auf klassische Animationskunst steht, sollte sich ZOE und ihre Tricks nicht entgehen lassen. Oldschool trifft Indie trifft Cartoon – so macht Genrefrische einfach gute Laune!
Erhältlich für: PC, Xbox, PS, Switch
Webseite: store.steampowered.com/app/1266610/ZOE_Begone